Fjordrally 2014 - Norwegen per Motorrad im Winter

Frühling im Palast der Schneekönigin

Fjordrally 2014 - diesmal alles anders

Krokus, Frühling, Regenschirm

Voll gespannter Erwartung harre ich der kommenden Ereignisse. Es soll wieder nach Norwegen gehen. Wieder im Februar. Wieder per Motorrad. An sich nichts Neues. Und doch läßt sich eine gewisse Spannung nicht verleugnen...

Und so kommt der Tag der Abreise. Nichts ist so konstant wie die Veränderung. In jedweder Hinsicht:

Die Witterung ist unglaublich mild - selbst in Norwegen herrschen teils Plus-Grade. Statt Schnee erwartet uns anfangs Regen - lange Gesichter...

Ich fahre eine leichte DR 350 anstelle der fast doppelt so schweren Africa Twin. Die Fähre geht nicht von Kiel nach Oslo, sondern von Hirtshals nach Larvik. Die Spikes werden nicht erst in Norwegen eingeschraubt, sondern einfach zwei Radsätze getauscht. Es soll keine Stürze & Schäden geben - trotzdem bin ich gefühlt weit schneller unterwegs. Keine kältebedingten Ausfälle und doch ist ständig jemand am Reparieren.
Gefühlt läuft diesmal alles anders. Und auch dieses Mal wird es wieder ein herausragendes Erlebnis.

Mit dem Motorrad durch Norwegen - früher Morgen nähe Eggedal
Frühmorgens über's Fjell Nähe Eggedal

Es wird die Fjordrally 2014. Und der Weg ist wie immer das Ziel...

Fahrzeugwahl Norwegen Winter

David gegen Goliath

Zwei Jahre lang nutzte ich das Motorrad, welches mir gerade zur Verfügung stand, um damit im Winter gen Norwegen zu düsen.

Suzuki DR350 in Hirtshals vor'm Fährterminal
DR350 in Hirtshals vor'm Fährterminal

Zwei Jahre lang trieb ich fünf Zentner Motorrad im Drift über norwegische Fjells. Freute mich über den Druck am Hinterrad bei leichten Gasimpulsen. Genoß die mehr als überflüssige Kraft aus 750 Kubik auf nor­dischen Eispisten.
Zwei Jahre pure Freude... und nie hätte ich geglaubt, daß ich voller Freude gegen nur 27PS bei halbem Gewicht tauschen würde...

Wie unglaublich viel einfacher sollte dieses Jahr das Spielchen werden bei weniger als 140kg vollgetankt inkl. 16L Sprit. Eine DR350 - Hälfte Gewicht, Hälfte Leistung - tat dieses Jahr ihren Dienst.

Zugegeben: Ich hätte mir doch einige Male 10-15PS mehr gewünscht (auch um die Drehzahlen niedriger zu halten). Aber die kleine Leistung war mehr als ausreichend, um in diesen Verhältnissen teils richtig schnell zu sein.

Das niedrige Gewicht macht das Motorrad - gerade in haarigen Situationen - wesentlich einfacher fahrbar.

Zwar läuft die DR zappelig, tanzt und hüpft. Aber mit Last auf dem Vorderrad und ständig Druck an der Hinterhand meistert man spielend jede Situation.

Fahren

Wie im Fluge - hart am Limit

Freitag. Wir schieben eine DR350 und eine 300er GasGas in Stade in einen Vito. Morgen Abend - Samstag - werden wir in Larvik im Regen die Fähre verlassen.

Uns erwartet ein guter halber Meter Schnee. Im Regen herrlich aufgeweicht. Schmierig. Verspurt. Noch zurückhaltend mit zu wenig Gas heikel zu fahren.

Sonntag Morgen brechen wir auf gen Gol. Wieder im Regen. Die geplanten Um­ge­hungen der großen Landstraßen auf kleinen Wald- und Feldwegen lassen wir ausfallen, da Pappschnee und Schneematsch pure Quälerei darstellen.

Oberhalb Kongsberg verlassen wir die 40 und biegen ab gen Eggedal. Die Straße ist jetz stabil weiß. Die Spikes müssen nicht mehr aufgrund Asphalt geschont werden. Aus 60 km/h werden 70. 80. Zügig geht es dahin bis wir - fast auf Paßhöhe - in immer tieferen Nebel fahren. Die Straße heikel verspurt. Ein langsamer Wagen vor uns. Überholen auf­grund Sicht unmöglich. White-out. Eine einzige weiße Wand.

Fast forward. Rückfahrtag von Gol nach Larvik. Die verhaltene Fahrweise ist dahin. Die letzten Tage haben das Vertrauen zurückgebracht. Wir lassen's krachen.
06:30 Uhr schleichen wir uns heimlich im Dunkel vom Campingplatz. Auf einer kleinen Waldstraße harren wir hinterm riesigen Schneeflug auf unsere Chance. Im Dunkel lassen sich Fahrbahnrand in Form von Schneewehen, vom Schieber aufgewirbelter Schnee und hinterm Schieber liegender Schnee kaum unterscheiden.

Ha! Eine kurze Lücke. Ein guter Meter zwischen Wand und Schieber. Vollgas!

Nicht viel später pfeiffen wir im ersten Licht des Tages über das Fjell gen Eggedal. Das Gas immer Tendenz Anschlag. Immer Druck auf dem Hinterrad. Hart im Drift um die Kurven. Gas bergauf. Gas bergab. Gewicht auf dem Vorderrad. Hahn auf! Die GasGas verschwindet mehrfach im Rückspiegel.

Den ganzen Tag hart am Limit. Fast komplett weiß auf kleinen Sträßchen bis Larvik. Auf eisigen und verschneiten Pisten mit schnellerem Tagesdurchschnitt als auf normal asphaltierter Straße.

Hoho! Ein herrlicher Ausklang! Ein traumhafter Tag. Wie im Fluge. Hart am Limit...
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Erkenntnisse 2014

Technik, Fahren, Trallala

Auch beim dritten solchen Abenteuer lernt man Neues. Gibt es vieles zu beobachten. Riecht es nach Abenteuer.

Technisch: Ein Mefo MX-Master soft, besetzt mit 1.500er BestGrip-Schraubspikes in allen Stollen, stellt für mich eine super Lösung für's Vorderrad dar & hält - wenn die Spikes drinbleiben - mind. drei Wintertouren.

Der Heidenau K69 für hinten war zu weich. Die Spikes bogen sich nach wenigen Kilo­metern in Laufrichtung weg. Die weichen Flanken der Spikes wurden beschädigt. Nach 70km waren die Angriffskanten der Stollen rund. Am Ende der Tour einige Mittelstollen kurz vor'm Ausreißen. Top-Spike-Zerstörer. Davon ab nicht schlecht.

Der parallel auf der GasGas gefahrene Mitas C-16 WinterFriction zeigte selbst nach 200km keinerlei Abnutzungsspuren. Next time Mitas XT 244 WinterFriction oder Mitas C-16 WinterFriction.

Ein leichtes Fahrzeug ist in beschriebenen Einsatz durch nichts zu ersetzen. Nicht durch Leistung. Nicht durch techn. Gimmicks - was auch für's Gepäck gilt: 2 Ortlieb Frontroller City mit je 25L Fassungsvermögen waren mehr als ausreichend. Lediglich der Zugriff zum Fotoapparat war ohne Tankrucksack zu langsam. Deshalb...keine Fotos.

Aufgrund der "frühlingshaften" Temperaturen (-11°C Minimum) gab es keinerlei der sonst üblichen kältebedingten Ausfälle. Nichts­desto­trotz gab es bei der Rally unglaublich viele techn. Probleme vom zerstörten Kardan über defekten Anlasser bis Motor-Total-Ausfall.

Und als kleines Highlight - oder besser un­er­wünschte Überraschung am vorletzten Tag: Wir kommen vom Jostedal (Gjerde).
Höhe Laerdal wählen wir den uns un­be­kannten Weg durch die 25km-Röhre Richtung Süden entlang der E-16 gen Hol. Nach endlosen Tunneldurchfahrten, zig Kilo­metern Asphalt und einer spannenden, schnellen Strecke über's Fjell im Schnee­treiben unter Vollgas gelangen wir nach Hol.

Hier heißt's: Links auf kürzestem Wege gen Gol. Oder rechts für Spaß über Geilo und Nesbyen gut hundert Zusatzkilometer.

Addis KTM LC4 Military wird abgeschleppt
Addis KTM LC4 Military kurz vor'm Abschleppen

Spaß - klar! Mitten auf dem Fjell gen Nes­byen wird Addis KTM mit abgebranntem Ventil lie­gen­bleiben. Es folgt eine Schlepp­aktion: DR350 zieht KTM LC4 Military knapp 50km durch Dunkelheit und Winterwelt. Mit teils 40-50 km/h - Tom's XChallenge spendet von hinten Xenon-Licht - durch verspurten Schnee.

Ein Hoch auf Addi! Keiner läßt sich so perfekt abschleppen wie er... ;)

Fjordrally 2014 - es war wieder ein Heidenspaß mit Euch verrückten Hunden!

Driving Impressions

Schnappschüsse während der Fahrt

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