Marokko per Motorrad 2014 - Rückweg durch West-Europa

Heimische Gefilde (Stand: 2015/08/13)

Heim durch Südeuropa

Bocadillo, Cafe au lait & Bockwurst

Marokko Motorrad 2014 - Endurofußraste
Enduro-Fußraste nach Spielen am Toubkal

Tagesetappen Rückweg
- Tag 20, 29.09.2014, 392km (Spanien)
- Tag 21, 30.09.2014, 446km (Spanien)
- Tag 22, 01.10.2014, 377km (Frankreich)
- Tag 23, 02.10.2014, 498km (Frankreich)
- Tag 24, 03.10.2014, 454km (Frankreich)
- Tag 25, 04.10.2014, 608km (Deutschland)







Marokko liegt hinter uns. Es geht heim durch good old Europa - dem warmen Hausschuh.

Spanische Bocadillos. Französischer Cafe au lait. Ein bißchen Spielen im Süden. Sierra de los Filabres. Pyrenäen. Vorbei an Andorra. Berg­pässe. Fran­zö­si­sche Campingplätze. Kleine und große Sträß­chen auf dem Weg nach Hause.

Ab Deutschland Autobahn & Bockwurscht an der Autobahnraststätte für 4,50 EUR - will­kommen da­heim.

Kaffee in Europa

Durch die Sierra de los Filabres

Es ist noch dunkel als unsere Fähre in Al­me­ria anlegt, wir die Mopeten losschnallen, auf­sitzen und hinaus ins Hafengelände rollen.

Schnelle Paßkontrolle - glücklicherweise sind wir Europäer, sonst würde es vermutlich län­ger dauern (man darf diesen Fakt durchaus kritisch mit einem "Warum?" hinterfragen). Und zack sind wir zurück in Europa.

Daß es tatsächlich so ist, wird uns kurze Zeit später im frühmorgendlichen Innen­stadt­ver­kehr von Almeria auffallen. Nach kurzer Be­ra­tung brütend über Landkarten und Navis machen wir uns auf den Weg gen Heimat.

Die Stadt erwacht gerade. Viele Menschen sind unterwegs. Leute auf dem Weg zur Arbeit. Schüler. Passanten. Alt. Jung. Männ­lich. Weiblich. Und es ist - man möge mir diese Aussage verzeihen - schlicht und er­grei­fend schön - absolut herrlich! - wieder weibliche Wesen zu sehen, die sich so geben, kleiden & darstellen wie es ihnen beliebt. Und nicht wie es irgendwelche alt­her­ge­brachten Traditionen ihnen oktruieren.

Das Herz lacht regelrecht bei diesen An­blicken. Ja, wir sind auf dem Weg nach Hause.

Und just dieser Weg - als willige Sklaven folgen wir dem elektronischen Na­vi­ga­tions­prügel - führt uns nun über kleine Straßen gen Norden hinauf in die kühlen Höhen der Sierra de los Filabres und hinüber ins Valle del Almanzora.

Über wunderschöne einsame Sträßchen mit interessanten Blicken Richtung Süden kurven wir hinauf in die luftigen - und zunehmend kühleren - Höhen. Oktober und 2.000 Hö­hen­meter fordern ihren Tribut.

Ganz oben auf dem Calar Alto - auf 2.168m zwischen den Wolken versteckt - stoßen wir auf eine Sternwarte. Das höchste Ob­ser­va­torium Europas wird gemeinsam vom
deut­schen Max-Planck-Institut für As­tro­no­mie und dem Andalusischen Institut für As­tro­physik be­trie­ben.

Sierra de los Filabres und Calar Alto
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Da wir mittlerweile alle bibbern vor Kälte - Kol­lege K. schimpft schon; die letzten Dirhams nicht mehr für volle Tanks reichten & einer unserer Spezies gerade einen Weg erkunden wollte - zwischenzeitlich als ver­schollen ab­ge­schrieben taucht er ne knappe halbe Stunde später lächelnd aus dem Wald wieder auf mit der freudigen Mitteilung, er hätte Hirsche beobachtet... Kurz: Aufgrund leerer Tanks und Scheiß-Kälte flüchten wir mit abgeschalteten Motoren rollend in die Wärme des Valle del Al­man­zo­ra.

Und dort - dort, direkt vor der Cafeteria Checa's - erwartet uns - dargeboten wie ein vor­ge­wärm­ter Bademantel im Winter - die absolut wun­der­volle Kombination von sehr putziger Be­die­nung, wirklich richtig gutem Kaffee und aus­ge­sprochen leckeren Bo­ca­dillos.

Wer hätt's gedacht: Es ist schön, wieder zu­rück in (West-)Europa zu sein.

Weiterführende Infos:
- Sierra de los Filabres (wikipedia) via google translator aus dem Spanischen
- Sierra de los Filabres (wikipedia) original spanisch
- Calar-Alto-Observatorium

Wildhengst

Die Dynamik eines Starr-Rahmen-Motorrads

Zwar hat sich der Himmel zugezogen, aber die kleinen Sträßchen hier oben durch die Berge - wenn das kein Zucker ist! Süd­spanien läßt kucken.

Kurve an Kurve. Keinerlei Verkehr. Zack, zack. So macht Fahren Laune!

Wir kommen gerade aus einer Rechtskurve auf eine Gerade, da hebt plötzlich und un­er­wartet Hildes Hinterrad ab. Wie ich gleich sehen werde eine Falte quer über den Asphalt.

Und nu wird's lustig. Gleich geht's los. Das ganz große Kino. Kollege Zufall und Fräulein Physik gegen einen Wildhengst namens Starr-Rahmen-Hilde!

Die erste Falte hat Hildes Hinterrad leicht ab­he­ben lassen. Nur ganz wenig. Büßken. Nich der Rede wert. Aber sichtbar.

Bei der zweiten - direkt passend nachdem das Hinterrad wieder aufsetzt - ist der Boden­kontakt ganz klar und definitiv dahin. Zehn Zentimeter.
Und dann kommt - so passend wie die Faust auf's Auge - Falte Nummer drei. Direkt, nachdem das Rad wieder kurz aufgesetzt hat.

Aus der Distanz geschätzt knapp 30 Zen­ti­me­ter. Alles geht ganz schnell. Noch eine Welle und der Drops ist ge­lutscht.

Glücklicherweise wird es eine vierte Welle nicht geben. Der Schreck sitzt trotzdem in den Gliedern.

Da die Straße jetzt insgesamt sehr wellig wird, gebe ich Gas, ziehe an Hilde vorbei und mache den Fährtenleser: Mit Füßen, Brems­licht und Blinker zeige ich Problemstellen an. Hilde weicht aus. Und nach ein paar Ki­lo­metern ist der Spaß dann auch vorbei.

Weiterführende Infos:
- Starrahmen-Simulation mit Matlab

Nebelmeer

Rauchende Schlote versus wunderschönes Tal

Wir jockeln zügig Richtung Heimat. Quer durch Spanien. Schicke Berge. Feine Kurven. Grüne, bewaldete Täler. Absolut blitzeblauer Himmel. Klär­chen macht den Strahlemann. Gibt sich von ihrer absolut besten Seite.

Hier oben dominieren nicht mehr braun und gelb. Grün und blau sind die bestimmenden Farben. Einfach schön.

Wir zuckeln bei diesem Königswetter gemütlich vor uns hin. Plötzlich tauchen erste Wolken auf. Und die Wolkenmasse vor uns nimmt zügig zu. Je weiter wir kommen, desto dichter. Teils blinkt nur noch vereinzelt der blaue Himmel durch die hel­len, weiß-grauen Wolken. Das wunderschöne, grüne, bewaldete Tal ist komplett unter einem dichten Wolkenteppich versteckt.

Und dann kommen wir um eine Kurve und sehen den Urheber: Zwei Kühltürme stoßen - zwei weißen Säulen gleich - die Suppe gen Himmel aus.

Mir fehlen die Worte! Ein wirklich malerisches Tal. Und was ist das beste, was das dumme Mensch­lein damit anzufangen weiß? Quackt ein Kraft­werk - den maximalen Kontrast - mitten in die Landschaft. Welcher geistig-umnachtete Cha­rak­ter denkt sich soetwas aus?

Herz versus Verstand.
Marokko Motorrad 2014 - Kühltürme in Spanien verdunkeln ein ganzes Tal mit Wolken

Marokko Motorrad 2014 - Kühltürme in Spanien verdunkeln ein ganzes Tal mit Wolken
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Dachschaden

Durch Südfrankreich

Reifen platt. Ventil kaputt. Die kleine SKS Revo Alu Luftpumpe für den Notfall wird gerade wieder eingepackt. Der Schweiß steht auf der Stirn. Da kommt der erste Kollege zurück zum Nach­schauen wo ich bleibe. Ich muß wohl schnell ge­we­sen sein...

Kurze Zeit später fahren wir zusammen in den Garten eines niedlichen, kleinen Hotels ein. Die Kollegen sind schon hart am Motorrad-Parken. Jeder will einen Platz unterm Dach. Kommentare wechseln die Runde. Rück mal'n Stück. Mach dich nicht so breit. Geschiebe. Gemache.

Als alle fertig sind, kann ich mir das Lachen nicht verkneifen. Der lauteste Kommentator hat astrein eingelocht. An der einzigen Stelle ohne Dach... Profis... was soll bloß aus denen noch werden??

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Ab hier geht es zügig gen Heimat. Teils auf kleinen Sträßchen. Teils einfach nur vorwärts. Ein, zwei Ecken in Frankreich - z.B. Laguiole - laden zum Verweilen. Die Stadt der feinen franz. Messer - in Insiderkreisen gut bekannt (wesentlich besser zumindest als das iranische Pendant Zanjan) - lockt mit Kaffee, Kuchen, bunten Auslagen in den Schau­fen­stern.

Über uns zieht ein Schwarm Kraniche im Schnee­flug gen Süden. Es ist spät im Jahr. Eine weitere interessante Reise liegt hinter uns. Viele neue Er­fah­rungen. Höhen und Tiefen. Be­ein­druckende Menschen, Land­schaften, Gebäude. Der Blick nach außen und nach innen. Die eigene Wahr­nehmung wieder ein bißchen mehr eingenordet. Relationen erkannt und geradegerückt.
Marokko Motorrad 2014 - Rückfahrt Frankreich - Dachschaden
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Und wie am Ende einer jeden größeren Reise ist er bereits wieder da. Der Hunger. Jedes Ende ist ein neuer Anfang.

Die Welt wartet...

Weiterführende Infos:
- Laguiole (Ort)
- Laguiole (Messer)
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