Marokko per Motorrad 2014 - In Marokko

Von Berbern, Oueds und hohen Bergen (Stand: 2015/08/15)

Durch den westlichen Maghreb

Über Rif, Atlas & Sarhro gen Sahara

Motorrad vorm Djebel Bani (Marokko, Sahara) südlich Zagora
Motorrad vorm Djebel Bani (Marokko, Sahara)

Tagesetappen Anreise
- Tag 6, 15.09.2014, 342km (Marokko)
- Tag 7, 16.09.2014, 223km (Marokko)
- Tag 9, 18.09.2014, 327km (Marokko)
- Tag 10, 19.09.2014, 169km (Marokko)
- Tag 11, 20.09.2014, 150km (Marokko)
- Tag 12, 21.09.2014, 220km (Marokko)
- Tag 13, 22.09.2014, 188km (Marokko)
- Tag 14, 23.09.2014, 406km (Marokko)
- Tag 15, 24.09.2014, 254km (Marokko)
- Tag 16, 25.09.2014, 223km (Marokko)
- Tag 17, 26.09.2014, 351km (Marokko)
- Tag 18, 27.09.2014, 185km (Marokko)
- Tag 19, 28.09.2014, 418km (Marokko)

Marokko - uns erwarten tolle Land­schaften. Hohe Berge. Rauchende Grills. Hoch­le­ben­di­ge Me­di­nas. All­abend­lich Un­men­gen an Men­­schen auf den Straßen.

Marokko wird faszinieren. Und schockieren. Herz­liche, natürliche Kontakte. Eine Ber­ber­hoch­zeit. An­de­rer­seits viel Bettelei wo immer Touristen bereits ihre Füße hingesetzt haben. Ver­suchte Abzocke. Aufdringlichkeit.

Marokko - ein faszinierendes Land mit vielen Licht- als auch ganz klaren Schattenseiten.

Ein erster Schritt in Afrika

Von Markttagen, Schleppern & Polizistenhorden

Einen interessanteren Tag der Woche als Montag hätten wir uns kaum aussuchen kön­nen. Montags ist Markt in Ceuta. Viele Wa­ren zum halben Preis. Halb Marokko scheint unterwegs in der spanischen Enklave, um die Stadt leerzukaufen und die Waren über die Grenze gen Heimat zu bringen. Mehr als doppelt soviele Menschen & Fahr­zeuge wie üblich. Wir mittendrin. Na denn - los geht's.

Massen drängen gegen die Grenzanlagen. Lange Schlangen. PKWs kreuz und quer. Ein Rollerfahrer zeigt uns wie der Hase läuft: Durchschlängeln. Sitzend den Hal­te­bügel am Heck des Rollers grei­fen. Den Hin­tern 90° he­rum­he­ben. Zwischen zwei Autos quer ­durch. Hupen. Schimpfen. Er ist vorn.

Und dann werden wir geschnappt! In der Bruthitze - null Vorwärtsbewegung - haben wir Jacken & Helme an die Kisten gehängt. Gefällt den spanischen Grenzern gar nicht. Trallala! Macht ihr das in Deutschland auch?! Helm aufsetzen! Nix - dann schiebich lieber.

Nebenbei Erstkontakt zu den überall im west­lichsten Maghreb-Staat üblichen marok­kanischen Schleppern. Jeder will helfen. Drängt sich auf. Zieht. Ruft. Zappelt. Gegen Bares versteht sich. Für jeden noch so kleinen Fingerzeig. Gut, daß Luft frei ver­fügbar ist. Sonst würde sie in Tüten verkauft werden.
Ein freundlich lächelnder älterer Herr im Ber­ber­mantel - ruhig, nett und unaufdringlich - fragt uns, ob er uns helfen dürfe. Nimmt mich an die Hand. Vordert mich auf, alle Papiere einzusammeln - mein Kumpel möge dringlichst die Moppeds bewachen!

Er schleust mich zielstrebig & hocheffektiv durch das Chaos. Bringt mich an den Schal­tern ganz nach vorn. Und zack - durch sind wir. Noch ein paar freundliche Worte, ge­schüttelte Hände, ein Lächeln - wir sind drin. Drin im Lande Marokko. In Nord-Afrika. Dort, wo alle 200-500m ein Polizist in Galauniform am Straßenrand steht, Verkehr regelt, Geschwindigkeit überwacht, ... - MOMENT MAL! Alle paar Meter ein Polizist?!

Tatsache! An jeder Kreuzung. Jedem Kreis­verkehr. Mit Laserpistole & ohne. Wo sind wir denn hier ge­lan­det?!?

Nach Verlassen der Küstenstraße wird es besser werden. Nichtsdestotrotz - auf allen größeren Straßen im Land wird man re­gel­mäßig auf Polizeikontrollen stoßen. Stoppen ist tunlichst angeraten. Wir Mop­pedfahrer werden aber immer durch­ge­wunken.

Weiterführende Infos:
- Maghreb
- Ceuta

Fes - durch die alte Königsstadt

Abdullah, Souk & Medina

Das Rif-Gebirge, Chefchaouen und eine sehr interessante Nacht samt lecker Speis & Trank liegen hinter uns. Hilde hat mal wieder eine Streicheleinheit bekommen. Diesmal am Vergaser. Nicht das letzte Mal wie wir sehen werden.

Nach einem Zwischenstop mit lecker Essen aus einer Garküche, sehr freundlichen Men­schen & zum Kontrast Parkeinweisern, die bei Abfahrt plötzlich aus dem Nichts auftauchen und den Weg bis Zahlung eines Obolus blockieren, reiten wir schlußendlich von Nord­westen kommend über einen Tram­pel­pfad gen Fes ein. Daß wir dabei unvermutet durch den Hintergarten eines Mi­li­tär­stütz­punk­tes stolpern, sorgt glück­lich­er­weise nur für Ver­wirrung. Wir sind schnell wieder weg & den Esel am Wegesrande stören wir schein­bar wenig.

Fes, die älteste der vier Königsstädte und zeitgleich drittgrößte Ansiedlung Marokkos gilt als geistiges & intellektuelles Zentrum des Landes. Ihre Medina wird als auf die Fläche bezogen größte erhaltene mit­tel­al­ter­liche Altstadt weltweit gehandelt.

Ein netter Marokkaner auf Mofa - vielleicht nicht ganz uneigennützig, aber sehr hilfreich - führt uns zu einem kleinen Hotel und stellt Kontakt zu einem Stadtführer für den Fol­ge­tag her.

Da selbiger nicht verfügbar ist, stehen am nächsten Morgen mit Abdullah sein offizieller Vertreter und Nabil als Fahrer mit seinem Minibus Gewehr bei Fuß. Abdullah wird uns durch die Stadt führen, Aussichtspunkte zeigen, mit uns durch die Medina wandern, Hintergründe näherbringen.

Unzählige kleine Gassen der Altstadt - teils nicht mehr als einen halben Meter breit, die mannigfaltigen Eindrücke des weit­läu­figen
Marokko Motorrad - Medina Fes - unterwegs im Souk
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Souks, tausende Farbtupfer auf eng­stem Raum, beeindrucken.

Hier die Tex­til­zone mit un­zäh­ligen kleinen Ge­schäft­chen. Dort die Le­der­macher, Färber und Ger­­bereien. Obst- und Gemüsehändler in bun­ter Folge. Gewürzhändler. Ein Mann bietet Kak­tus­feigen als Erfrischung an. Die Ein­drücke sind überwältigend.

Der positive Eindruck wird leicht getrübt nach­dem irgendwann der Eindruck aufkommt, daß Abdullah soeben begonnen hat, uns mit Macht von einer inszenierten Touri-Ver­kaufs­ver­an­stal­tung zur nächsten zu schleppen. Die bis dahin sehr schöne Führung bekommt einen un­an­ge­neh­men Beigeschmack. Nach sieben Stunden beginnen wir zu knurren. Nach acht zu re­bel­lie­ren. Als der Guide schlußendlich auch noch einen Preis doppelt so hoch wie vereinbart ver­langt, ist das positive Bild final dahin.

Weiterführende Infos:
- Chefchaouen
- Fes
- Rif-Gebirge
- Medina
- Souk/Suq

Fes II - Im Dunkeln is gut munkeln

Details & dunkle Eckchen

Fes besticht - wie schon angesprochen - vor allem durch die Mannigfaltigkeit der Ein­drücke in der Altstadt. Doch auch die Straßen in den neueren Teilen der Stadt sind interessant - wenn man sich entsprechend Zeit nimmt.

Ein paar Meter die Straße hinunter setzen wir uns zusammen mit Einheimischen vor eine kleine Garküche. Es gibt Tee, eine Flasche Cola und eine Auswahl einfacher, aber leckerer Mahlzeiten. Das Ganze kostet im Nachhinein für fünf Personen 55 Dirham (ca. 5 EUR). Morgen werden wir an der Straße gen Marrakesh für weniger schmackhaftes Essen 600 Dirham angesagt bekommen. Für das Essen - ohne die Möbel.

Noch weiter die Straße hinunter findet sich direkt am Kreisverkehr - Kino könnte nicht besser sein - ein nettes Cafe. Große Auswahl an verschiedenen Kaffee-Sorten, eine so breite Palette von Kuchen & Törtchen, daß
den Probanden sichtlich der Sabber die Mundwinkel heruntertropft - macht der Kollege da grad Männchen?!? Und direkt vor uns die herrlichsten Straßenverkehrsszenen, die Abend und beginnende Nacht so zu bieten haben können.

Um die Ecke - versteckt und sehr un­offen­sichtlich gleich neben dem Hotel Errabie - gibt es einen Club...

Das ehemalige(?) Schwimmbad ist trocken. Nicht jedoch seine Besucher. Hier ist das Plätzken, wo die willige männliche Be­völ­ke­rung von Fes dem Biergenusse fröhnt.

Die Atmosphäre ist irgendwie dunkel. Aber die Mengen an Biertrinkern genießen friedlich in kleinen Grüppchen um runde Tische sit­zend das gut­ge­kühl­te, servierte Naß.

Maß-Halten ist jedoch das Wort der Stunde. Alkohol & Orient passen nicht zusammen.
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Menschen

Von Berbern, Polizistinnen & überfüllten Teestuben

Recht zeitnah fällt uns - wir haben u.A. mit Tür­kei und Iran den Vergleich durch die letzt­jährige Reise - auf, daß die typisch mus­li­mi­schen Kleidungs- als auch Ver­hal­tens­nor­men in Marokko und im Speziellen in den Ber­ber-dominierten Regionen vergleichsweise liberal aus­fallen.

Frauen ohne Kopftuch. Frauen in teils lege­re­rer Klei­dung. Frauen auf Moped. Frauen als Po­li­zistin. All diese Punkte stechen im Ver­gleich zu anderen muslimisch-dominierten Län­dern ins Auge und legen Zeugnis über Men­ta­lität und auch Führung dieses nord­afri­kanischen Landes ab.

Große Teile Marokkos sind durch die Volks­grup­pen der Berber dominiert. Lange Mäntel mit spitzen Kapuzen bei Männern, recht far­ben­frohe Kleider ohne Kopf­be­deckung bei Frauen.

Die Sprache der Berber - Tamazight - weicht stark vom sonst arabischen Einfluß ab. In eini­gen Regionen wird ausschließlich Ta­ma­zight gesprochen.

Speziell in den abgelegenen Ecken des Atlas findet man nicht selten auffällige Sym­bol­ket­ten oder das Schriftzeichen, welches das Ti­fi­nagh-Z als Symbol für die Berber-Schrift dar­stellt an den Berghängen.

In den Bergen sieht man oft sehr einfache, meist aus Lehm, Stein & Stroh gebaute Hütten, die optisch so mit der Landschaft ver­schmelzen, daß sie teils kaum wahr­zu­nehmen sind.
Auffällig unterschiedlich stellt sich der Kontakt mit Einheimischen in eher un­be­rührten und dazu kontrastierend vom Tou­ris­mus geprägten Regionen dar. Derweil in ersteren die Menschen meist sehr herzlich, natürlich und nicht übervorteilend agieren, muß man sich in zweiteren darauf einstellen, teils regelrecht bedrängt und nicht un­wahr­schein­lich über den Tisch gezogen zu werden.

Dieser Kontrast trat bei uns subjektiv so stark zutage, daß wir schlußendlich Marokko trotz vieler sehr netter Erfahrungen mit einem sehr bitteren Beigeschmack verlassen werden. Speziell, da wir fälschlicherweise un­be­wußt doch immer wieder mit den Er­fah­rungen aus dem Iran Vergleiche ziehen.

In seinem schieren Ausmaß uns bis dahin auch nicht bekannt waren die unglaublichen Massen von üblicherweise männlichen Per­so­nen, die abends ab 19/20 Uhr die Straßen bevölkern, in Teestuben oder Cafes mit Freun­den/Bekannten pallavern, Mopped fahrn oder schlicht die Straße füllen. Wir waren anfangs massiv davon erschlagen.

Und gleich - in Beni Mellal - werden wir dies­bzgl. unser erstes richtig blaues Wunder er­leben...

Weiterführende Infos:
- Berber
- Tamazight
- Tifinagh
- Atlas-Gebirge

Beni Mellal

Kulturschock & Schotterspaß mal anders

Alle Hotels sind voll. Der Tag neigt sich dem Ende entgegen. Die Zeit rennt. Das Licht schwindet.

Egal, wo wir schauen und nachfragen: Alle Unter­kün­fte sind pauschal ausgebucht entlang unseres Weges überland von Fes gen Marrakesh. Wir passieren El Ksiba. Kasba Tadla. Fragen hier. Fragen dort. Kein Erfolg. Die nächste größere Stadt laut Karte ist Beni Mellal.

Schon vor Erreichen der Stadt empfängt uns als passende Einstimmung auf das Kommende eine kilometerlange Baustelle.

Massenhaft Verkehr, Schotter, Staub - so dicht, daß man das Rücklicht des Vordermanns im Dunkel nicht mehr sehen kann. Das Atmen fällt schwer. Sicht null. Die Augen trocken. Fahrzeuge dicht an dicht im steten Fluß.

Eine große Ampel-Kreuzung der Überlandstraße scheint unsere Rettung. Links ab geht's in die Stadt. Doch was ist das? Die mehrspurige Straße - knapp beleuchtet - ist voll! Hunderte Menschen auf der Fahrbahn. Dicht an dicht. Überall. Egal, wie weit wir die Straße in die Stadt hineinfahren.
Wir werden ein Phänomen erleben, das mir in dieser Intensität noch nirgends untergekommen ist: Selbst im Hotelzimmer im 3. Stock kann man den durchaus herrschenden Straßenverkehr mit PKWs, Moppeds und LKWs nicht hören. Zu sehr ertränkt ein alles übertönendes Gemurmel und Getöse tausender sich unterhaltender Menschen jedwedes alternative Geräusch. Selbst bei geschlossenem Fenster ist das Hintergrundrauschen der Massen noch regelrecht nervtötend.

In Kombination mit unserer Unbedarftheit ge­gen­über dem scheinbaren Chaos, den schieren Massen an Menschen auf den Straßen, die unsere Moppets umflutet haben, ein regelrechter Kulturschock.

Wir werden uns daran gewöhnen. Für heute jedoch ist es genug. Einen Ausflug per pedes durch die Massen werden wir noch wagen. Aber ein gewisser Grad an Beklemmung läßt sich nicht gänzlich leugnen. Zu fremd sind diese ungewohnten Menschenmassen in diesem Auftreten.

Weiterführende Infos:
- Beni Mellal

Über den Hohen Atlas I

Querung mit Hindernissen

Beni Mellal, ein entspanntes Frühstück und der Lärm der gestrigen Nacht liegen hinter uns. Den Kindern steht heut die Lust auf Spannung, Spiel und Abenteuer. Also die Landkarte gezückt und mit dicken Pötten auf kleinen Wegen einfach mal in den Hohen Atlas hinein.

So vergeht ein gemütlicher Tag mit den Kollegen Schotter und Staub - gekrönt durch eine ungeplante, unerwartete Übernachtung in einem Kleinod: Das Dar Ahansal.

Diese sehr schöne, urige Übernachtung soll sich als Ruhe vor dem Sturm herausstellen: Ab morgen wird es regnen. Tagelang. Erd­rutsche. Blockierte Straßen. Bäche, die zu reißenden Flüssen werden. Flüsse, die selbst südlich in der Ebene noch Tage später alles unter Wasser setzen. Ab jetzt wird's putzich...

Unser Weg gen Süden - erst längs des Atlas, dann nach unten in die Ebene wird dadurch maßgeblich torpediert. Abenteuerduft träufelt auf uns herab.
Marokko Motorrad 2014 - Auf der Piste süd-östlich Azilal von Beni Mellal gen Demnate
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Manfred wird stürzen und Hildes Euter durch­löchern. Wir werden uns mit Trial & Error über die Berge schlängeln. Not­gedrungen nach Nord­westen aus­wei­chen und mehrere Über­­que­rungs­versuche star­ten.

Weiterführende Infos:
- Übernachtung Dar Ahansal
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Dar Ahansal

Uriges Übernachtungs-Kleinod im Atlas

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Über den Hohen Atlas II

Macht die Boote klar...

Bereits im Dar Ahansal - einen Tee im Garten schlürfend - bekommen wir den ersten flüs­sigen Sonnenschein von oben - wobei es so duster ist, daß man von Sonne eher nicht reden mag.

Bis nach Demnate - welches den durch­ge­weichten Hunden zum Trost guten Kaffee und einen lebendigen Souk beschert - wird es fein feucht und kalt werden.

Und dann heißt's Boote besteigen und an­schnal­len. Überspülte und ver­schüt­tete Stra­ßen. Erdrutsche. Das volle Programm.

Irgendwo bergab direkt hinter einer Rechts­kurve in der das Wasser sich neue Rillen gegraben, Steine in den Weg gerückt und hinterhältig Fußball gespielt hat, spurt Hilde das Vorderrad ein. Es folgen Sturz und Schlitterpartie über's Euter. Und siehe da: Der linke Zylinder kann freier atmen.

Derweil sich die anderen Hanswürschte wie Pit­ter­chen und Pat­ter­chen vor'm Regen ver­stecken - einer mit Regenhaube, der andere mit Hals­öffnung der Jacke über'm Kopf offen zwecks Glatzenansätze wässern - mögen sie prächtig gedeihen, nimmt Manfred die Kuh auseinander. Dreht den Kopfdeckel so, daß das Loch nach oben kommt. Und bestreicht das fingerdicke Loch im strömenden Regen vor erstaunten Augen mit einer schicken grauen Masse. Und siehe da: Eine feuchte Zigarette später kann's weitergehen. Al­ler­dings nur bis eine entgegenkommende Ein­zy­linder-Gruppe ohne Gepäck meint, weiter vorn wäre definitiv kein Durchkommen mehr.
Marokko Motorrad 2014 - Pitterchen & Patterchen
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Also widerwillig Umkehr. Wieder hintenrum. Und dabei werden wir vielen überraschend freund­lichen Berbern begegnen - als ob ein ganzes Tal plötzlich das Lächeln, Winken & Grüßen für sich beansprucht.

Aus der Not heraus werden wir in Taddard pitschnaß eine Unterkunft suchen. Und die findige Jugend des Dorfes dirigiert uns über Stufen und Ecken in den Keller des Dorf­ge­mein­schaftshauses Taddard, zeigt uns den Ort, hilft bei der Suche nach Essen - und organisiert sogar ein Bierchen. Vielen Dank, Jungs! Shukran.

Weiterführende Infos:
- Demnate
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Am Toubkal

Klaumortchen mit Stachelpfoten

Nach dem Regen der letzten Tage verbunden mit besagten witterungsbedingten Schwie­rig­keiten ist es richtig schön, daß heut Klärchen strahlend vom Himmel lacht.

Nachdem die Mopeten alle einzeln über ver­win­kelte Ecken und Stufen aus dem Keller des Gästehauses in Taddard geborgen sind, geht's weiter gen Toubkal. Über den son­nen­be­schienenen Paß Tizi-n-Tichka mit seinen Verkaufsbuden, Restaurants & schmucken Aus­sichten fahren wir unbeschwert - anfangs in feinstem Sonnenscheid, später eingehüllt in kühle Wolken - gen Süden.

In Agouim - hier unten im Tal sieht man noch die Spuren der verheerenden Re­gen­fälle der letzten Tage - wird erst getankt, dann Kettenöler wiederbefüllt (Hr. Doktor streichelt nebenbei seine Kette wieder per Zahnbürste) und alsdann soll es auf kleiner Straße gen Westen südlich entlang des Hohen Atlas gen höchsten Berg Marokkos - dem Toubkal - gehen.

Dafür gilt es erstmal im Ort einen See mit einer Menge Unrat zu überwinden und her­nach den Spuren einiger Fahrzeuge über eine nicht mehr vorhandene Straße durch Schotter, Schlamm und Steine zu folgen. Klappt prima - also ziehen wir durch...

Die Sonne lacht uns irgendwann wieder. Das Fahren macht Freude. Während einer Mit­tags­pause mit herrlichem Bergpanorama laden wir vorbeikommende einheimische Arbeiter zu Keksen ein. Es wird gelacht, gewunken und gescherzt.

Irgendwann erreichen wir das Örtchen Toubkal und biegen - Hilde muß am Hauptweg warten - aus reiner Neugier gen Norden ab auf einen kleinen Pfad gen Am­sou­zart - ein Dörfchen am Fuße des höchsten Berges von Marokko. Der Weg ist recht mitgenommen. Kurz hinter Amsouzart auf dem Weg gen Bergsee Lac d'Ifni drehen wir um. Es juckt, weiterzufahren, aber wir wollen Hilde nicht zu lange warten lassen.
Straße/Piste von Agouim gen Aoulouz südlich des Toubkal
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Auf dem Rückweg - Thomas & ich stoppen für einen kurzen Ausblick - halten wir zufällig neben einigen Kakteen. Und an ihnen hängen - wir durften die Früchte bereits in der Medina von Fes genießen - leckere, rötliche Kaktusfeigen.

Geschält ist das Fruchtfleisch samt Kernen eßbar, dezent süß und mit hohem Flüs­sig­keits­gehalt sehr erfrischend.

Allerdings hat der Thomas nicht mit den win­zigen Stacheln gerechnet, die sich gleich durch seine Handschuhe bohren, dort festhängen und noch eine Weile Ärger bescheren werden.

Selbst eine halbe Stunde später - ich fahre als letzter mehrere Motorräder hinter Thomas mit anständig Abstand um dem aufgewirbeltem Staub zu entgehen - zwickt es mir plötzlich während der Fahrt in der linken Hand. Den Rest des Nachmittags werden ich Spaß mit den sich weiter verteilenden Stacheln haben, die Thomas während der Fahrt verlor. Die Rache der ge­meinen Kaktusfeige...

Weiterführende Infos:
- Toubkal (4.167m)
- Tizi-n-Tichka-Paß
- Lac d'Ifni via google-translate
- Bilder Lac d'Ifni bei Google
- Kaktusfeige

Flußdurchfahrt

Wider die Überschwemmung

Die Auffahrt zum Toubkal liegt gerade hinter uns. Auf der Straße gen Westen wird uns signalisiert umzudrehen. Öhm? Egal - wir schauen erstmal. Und siehe da: Als wir über eine Kuppe kommen, endet die Straße in einer Menschenmenge, die vor schäu­men­dem braunen Wasser steht, welches die Straße überflutet hat. Beratungszeit.

Vorort fünf Motorräder, mehrere kleine Mo­peds, zwei Klein-Busse (Benz & Transit) und ein 4-Achs-Kipplaster, der sich seinen Weg durch die Fluten bahnt.

So richtig artig sieht die aufgewühlte Brühe mit ihren stehenden Wellen, den Schaum­kämmen und Wirbeln nicht aus. Der 4-Achser fährt mehrfach hin und her. Ein Ford Transit fährt rückwärts durch die Fluten. Die Strö­mung drückt das Wasser bis gut oberhalb der Radkästen.

In der Gruppe zeigen sich betretene Ge­sich­ter. Das sieht böse aus. Und da äußert auch schon Proband 1 seine Sichtweise: "Ich fahr zurück." Probant 2 steigt ein. Und auch Nr. 3 hält dies für die sinnvollste Lösung.

Glücklicherweise lebt die Welt von Kon­trasten: Probant 4 zieht wortlos die Wan­der­schuhe aus, Sandalen an und marschiert in die Fluten um die Lage zu checken. Aus den Sandalen läuft das Wasser. Die Hose ist bis gut Kniehöhe braun.

"Nich ganz ohne. Aber mit Motor und Kupplung jeweils zu zweit eine Bude schie­ben..." - "Ich fahr da nicht durch!" Oha. Das war eindeutig.

Nun steht da noch Probant 5 - Profi, den es sichtbar juckt - und schließt sich der ver­nünf­tigen Mehrheit an.

Auftritt Probant 4: "Hey Freunde der Nacht! Das ist machbar. Im tiefsten Sibirien könnt­mer auch nich vor jedem noch machbaren Hindernis umdrehen. Wir packen das!"

Aber nix zu machen. Vier sagen "heim". Und einer "nein". Es folgen "sehen uns morgen, übermorgen" und "koordinieren via SMS". Und zack geht's los...
Der Motor läuft. Hand 1 Handbremse. Nr. 2 Kupplung. Sachte Gas. Quer durch die nun direkt am Wasser versammelte Men­schen­men­ge. Strömung von rechts. Links neben dem Mopped laufend. Kribbeln im Bauch. Dicke Hose. Da darf jetzt nix schief­gehen vor zig Augenpaaren...

Das Wasser wird tiefer. Die Strömung nimmt zu. Heidewitzka. Jetzt bloß aufpassen! Einmal ausrutschen und es geht links ab ins Fluß­bett. Motorrad auf Nimmerwiedersehen usw.

Fuuuking hell! Das drückt! Zentimeter um Zentimeter die Füße vorwärts. Einmal etwas zu viel abgehoben und die Strömung reißt das linke Bein weg. 250kg Motorrad drücken nach. Verdammte Axt! Gegenhalten. Mopped weiter nach rechts neigen! Hoffentlich liegen keine Steine im Weg!

KLONK.

Äh??? Klonk. Klonk. Erkenntnis dämmert: Das sind von der Strömung mitgerissene Steine. Shit! Das war nicht einkalkuliert. Und rumms... der ging gegen den linken Knöchel. Drückt das Bein weg. Aldeeer! Bloß raus hier!

Trotz massiver Anspannung minimales Lä­cheln beim Gedanken an den ollen Erich: Vor­wärts immer. Rückwärts nimmer. Trifft hier wie Faust auf Auge. Ein Zurück gibt's nicht.

Die Zeit erscheint ewig. Zentimeter für Zen­ti­meter. Das linke Bein wieder ranziehen. Die Karre aus­ba­lan­cieren. Immer wieder Steine.

Aber irgendwann ist es geschafft! Von hinten jubelt die Masse. Arme. Beine. Der ganze Körper zittert vor Anspannung. Aber ein glückliches Lächeln im Gesicht.

Gereckte Daumen aus einem Mercedes-Bus. "Brave job, mon amie! Good journey!"

Von beiden Flußseiten aufgrund der Distanz kaum wahrnehmbar Winken. Dann werden - vom Tosen übertönt - die Motoren gestartet. Macht's gut. In zwei Tagen werden wir uns wiedersehen...

Voraus wohnt das Abenteuer...

Lohn für die Mühe

Das Abenteuer liegt geradeaus

Die weitere Strecke wird grandios! Die Land­schaft ändert sich direkt hinter der Auffahrt aus dem Flußtal. Nimmt wilde Formen an. Der Weg schlängelt sich am Fels entlang. Schroffe Felsen. Wilde Berge.

An einer etwas weiteren Stelle wird der Bus überholt. Hupen. Winkende Hände. Zurück­winken. Und tschüß.

Kurze Zeit später versperrt ein Bagger den Weg. Ein Erdrutsch wird beseitigt. Und der Bagger ist so breit wie die Straße...

Doch siehe da: Er setzt zurück. Fährt mit der rechten Kette den Fels hoch. Und winkt. Oha! Rechts die Kette vom Bagger. Links geht's steil runter ins Flußtal.
Dazwischen genau Platz für ein Motorrad. Aber nicht für zwei Füße rechts und links...

Bereit, im Notfall sofort in die Baggerkette zu greifen, um einen Absturz zu verhindern fahre ich über den losen Untergrund.

Geschafft. Auch hier: Kurzes Winken. Und was ab jetzt folgt macht jede Strapaze wieder wett.

Fahrspaß auf zig Kilometern feinster Schot­ter­pisten. Schnelle. Lang­same. Ausgespülte Passagen. Ser­pen­tinen. Und alles hart am Gas. Ein wundervoller Nach­mittag. Aber Bilder sagen mehr als tausend Worte...
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Tizi-n-Tleta & Tizi-n-Melloul

oder Mit Pferd & Esel um die Wette

Oh, was hat es mich gejuckt, die beiden in der Karte südlich des Toubkal ein­ge­zeich­neten Pässe Tizi-n-Tleta & Tizi-n-Melloul anzufahren. Heiß war ich darauf. Primär aus diesem Grunde - und der Vermutung, daß man von der südlichen Hochebene den Toubkal gut sehen können sollte - ging's durch's Wasser. Doch von vorne...

Nachdem ich die ganzen schicken Pisten hinter mir gelassen habe, das Licht sich zügig dem Abend ent­gegen­neigt, wird es Zeit, in Askaoun noch schnell ein paar mi­ni­male Lebensmittel einzukaufen für die kom­men­de Nacht. Ein Fladenbrot und Schmelz­käse sind schnell gefunden bevor es gleich weitergeht - zurück in die Einsamkeit.

Auffällig hier oben in den Bergen: Scheinbar kommen hier nie Touristen vorbei. Die Leute sind alle freundlich interessiert, aber absolut nicht aufdringlich. Hier fühle ich mich wohl - auch am nächsten Morgen als ich zwischen freundlichen Einheimischen sitzend ein spätes Frühstück (Fladenbrot, Schmelzkäse, Spiegelei & Kaffee) verspeise.

Auch die Preise sind auffällig unauffällig. Eine große Flasche Wasser kostet aus dem klei­nen Ladenverschlag 1 Dirham. Im weiteren Verlauf des morgigen Tages werde ich für identische Flaschen je 7 und später 10 Dir­ham berappen müssen.

Kurze Zeit später stoppt mich ein Ein­hei­mischer im Nichts auf einer Piste. Wo willst Du hin? Nach Anzal. Dann bist Du hier falsch. Zurück und oben links in den Pfad rein.

Sein Blick spricht Bände. Meine Vorahnung auch. Habe ich besagten Pfad doch soeben als absolut irrelevant eingestuft und links liegen lassen.

Und so kommt es dann auch. Die Ahnung bestätigt sich als ich den handgemalten Weg­­weiser gen Anzal & Quarzazat sehe. Einsam und verlassen thront er über einem teils kaum noch wahr­zu­neh­men­den Wegchen gen Osten.

Das also soll die in der Karte eingezeichnete Straße sein? Erste Vorahnungen - gepaart mit Skepsis - werden wach.
Aber was soll's? Lebensmittel sind genügend vorhanden. Die Landschaft ist wundervoll. Das Abendlicht zaubert eine tolle Atmosphäre. Kalter Wind pfeifft über's Hochplateau. Wilde Wol­ken­formationen am Abendhimmel.

Tizi-n-Tetla & Tizi-n-Melloul
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Ich werde eine traumhafte Nacht in der Ein­sam­keit der Berge verbringen. Unmengen an Sternen über mir. Wandernde Taschenlampen 50 Meter entfernt mitten im Nichts (kaum wahrnehmbar: ein Trampelpfad verbindet zwei nicht sichtbare Dörfer).

Ich erwache sehr früh. Wetterleuchten an der Zelt­wand. Eine kurze Wanderung, um die Lage zu checken (nicht, daß mir mein Weg weg­ge­spült wird...).

Der Morgen dämmert. Und mit ihm ein op­ti­males Toubkal-Panorama. Nach gemütlichem Frühstück geht es weiter. Es dauert nicht lange - der Weg wird immer sportlicher. Und dann ist final Schluß.

Große Felsbrocken blockieren den Weg, den außer Pferden & Maultieren schon lange keine "Fahrzeuge" mehr passiert haben können.

Alle Karten zeigen am Tizi-n-Tetla eine Straße an. Per Esel oder Pferd sicher super. Für Mo­tor­fahrzeuge 2014 definitiv nur mit aus­ge­spro­chen großer Bo­den­frei­heit oder Kran zu empfehlen. Trotzdem ein Riesen-Spaß... ;)

Weiterführende Infos:
- Piste im Motoplaner
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Flugzelt

oder Unwetter über der Sahara

Spät ist es geworden. Heute ging es aus der Gegend um Askaoun (südlich des Toubkal) auf mehrfachen Zuruf via SMS gen Zagora. Leider habe ich die SMS vom Vormittag nicht gelesen in welcher M'hamid als Ziel angesagt wird. Und so finde ich mich ganz entspannt am späten Nachmittag in Zagora ein - nichts­ahnend, daß ich noch gut 100km gen M'hamid in die Wüste weiterfahren muß. Zeitlich eine sehr, sehr knappe Angelegenheit.

Reliefansicht Zagora - Sahara - M'hamid - ein hoher Gebirgskessel schirmt die Ebene ab gegen die Wüste
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In Zagora mußte ich einen Hardcore-­Mofa-Fahrer und seine Verkaufsofferten durch pure Motorkraft abschütteln. Jetzt geht es hinaus auf's freie Land. Der Himmel nimmt eine zunehmend merk­wür­dige Färbung an. Schmut­zig gelb. Fast wie der Blick durch leichten Nebel. Die Sonne wirft ein un­wirt­liches Licht. Ein un­gutes Gefühl in der Magengegend tragend werfe ich ab Tamegroute ein Auge auf mögliche Not­stand­plätze für's Zelt. Ich will M'hamid erreichen - gebe Gas. Weiß aber nicht, was außer einbrechender Dunkelheit vor mir liegt. Teer? Sand? Über­schwemmung? Sandsturm??

Die Ebene südöstlich Zagoras ist durch einen riesigen Gebirgskessel von der Wüste ab­ge­schirmt. Je dichter ich den hohen Bergen komme, desto mehr schälen sie sich als kaum wahrnehmbare Schemen aus dem gelben Dunst. Ein faszinierender Anblick.

Das ungute Gefühl verdichtet sich zu Gewiß­heit. Dem Willen anzukommen gepaart mit harter Gashand stehen die Naturgewalten entgegen. Schon vor Erreichen der Paßhöhe bricht jenseits der Berge ein Gewitter los.
Sturm kommt auf. Ich fahre noch bis kurz hinter die Paßhöhe - Blitze zucken wild durch die Dun­kel­heit. Sand & Regen peitschen mir ins Gesicht. Die Vernunft gebietet, nicht in diesen Hexenkessel zu fahren. Ich kehre um.

Nach einer Weile habe ich vor Tamegroute eine der steinfreien Flächen gefunden, wo man das Zelt auch im Dunkeln problemlos aufstellen kann. Die Lampe bleibt aus. Links & rechts von mir gehen kleine Pfade schein­bar zu verborgenen Dörfern. Allerlei Mofas & PKWs sind offensichtlich auf dem Heimweg. Ich will nicht entdeckt werden.

Gerade baue ich mein Zelt auf. Blitze zucken im Süden. Wilde Wolkenformationen sind sichtbar. Ich stecke soeben den letzten von sechs Heringen in den Boden, da kommt plötzlich und unerwartet eine gewaltige Böe - vorher war es die ganze Zeit fast windstill. RUMMS! Mein Zelt wird hochgerissen wie ein Spielzeug! Keine Chance, irgendetwas außer den Hering festzuhalten. Alles geht so un­glaub­lich schnell!

Im nächsten Moment bin ich bereits auf den Beinen und sprinte was das Zeug hält mit schweren Wanderschuhen über Stock und Stein meinem Zelt hinterher.

Ich gebe alles! Hole heraus, was machbar ist. Aber der Wind ist schneller! Im Schein der Stirnlampe verfolge ich mein wild trudelndes Zelt. Immer größer wird der Abstand. Ich erinnere mich, daß vorhin bei Tageslicht in dieser Richtung nur der Horizont wohnte. Am Ende einer tischebenen Fläche.

Irgendwann - ich habe wirklich alles gegeben - erwächst die Erkenntnis, daß ich verloren habe. Im Auslaufen verabschiede ich mich von meinem 400-Euro-Zelt just als ein fieses Geräusch mein Ohr erreicht.

Und siehe da! 100m weiter flattert mein arg geschundenes Zelt in einem Dornenbusch!

Gut 45 Minuten später werde ich vor meinem Motorrad stehen. Werde äußerst erstaunt feststellen, daß ich sowohl Zelt als auch alle 6 Heringe & Zeltunterlage wiedergefunden habe. Und in stickigen Sommernächten kann mein MSR Hubba HP jetzt mit ca. 20 neuen Belüftungsöffnungen so richtig punkten...
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Überschwemmungen

Von Stadt-Meeren & reißenden Strömen

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Überquerung des Djebel Sarho

Einmal quer durchs Gemüse über den Tizi-n-Tazazert

Zagora liegt hinter uns. Vorbei an Kasbahs und Palmenhainen haben wir die auffälligen Bergmassive, die das Draa-Tal einrahmen umfahren und sind unterwegs gen N'kob. Von dort scheint laut Karte eine kleine Straße die direkteste Verbindung gen Todra- und Dades-Schlucht zu sein.

N'kob überrascht sehr positiv mit einerseits unaufdringlichen, superfreundlichen Ein­hei­mischen und einem Novum: Man spricht perfektes Englisch. Unser Kellner in einem Straßencafe - sehr freundlich und zu­vor­kom­mend. Der Verkäufer nebenan im Lädchen wo ich Brot, Wasser und Käse erstehe. Per­fektes Englisch. Ich bin überrascht!

Hernach wird aufgetankt und los geht's in die Berge! Der Djebel Sarhro wartet. Ein weißes Sträßchen in der Karte verspricht Freude. Nur: Wo ist die Einfahrt zur Piste?

Kurze Zeit später stauben 5 Mopeten die Land­schaft ein. Querbeet geht's auf die Berge zu. Staub. Schlaglöcher. Steine. Höhö. So macht das Spaß!

Die Sonne zeigt Nachmittag. Viel Tag ver­bleibt uns nicht. Just als Hilde mal wieder ka­pi­tu­lieren will auf­grund fehlender hinterer Fe­der­harmonie sto­ßen wir auf drei ent­ge­gen­kommende, leich­te Einzylinder + "Gepäck".

Haarig heißt es. Schwierig zu fahren! Steine & Rinnen. Das schafft ihr heute nicht mehr drüber! Haben nen halben Tag gebraucht.

Hier müssen Hilde und TransAlp aussteigen, um Boumalne-du-Dades via Quarzazate zu er­reichen - morgen treffen wir uns wieder. Und für uns beginnt hier ein weiteres High­light.

Die Piste ins Herz des Djebel Sarho. Staubig. Steinig. Besagte Rillen und teils Stufen. Schotter. Staub. Anspannung, Spaß und Freude. Im Abendlicht in die Einsamkeit der Berge. Absolut traumhaft!
Auf der Piste von N'kob über den Tizi-n-Tazazert gen Boumalne-du-Dades
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Die Piste ist anspruchsvoll. Bereitet uns eine Heidenfreude. Ich ziehe einige Male kräftig auf, um Fotos zu erhaschen. Gas auf! Im rechten Moment rechts oder links vorbeischießen. Hart auf die Bremse vor der nächsten Kehre.

Das Abendlicht verzaubert die Welt. Die Berge erstrahlen in roter Wärme. Bald wird das Licht in magische Blau- und Violettöne umschlagen. Un­glaub­liche Bilder!

Auf halber Strecke beschließen wir den heutigen Tag ganz gemütlich in der Herberge einer sehr freundlichen und ursprünglichen Berberfamilie knapp unterhalb der Paßhöhe des Tizi-n-Ta­za­zert. Meine Twin wird zum Sonnenuntergang noch kurz zur Erkundung auf die Paßhöhe ge­peitscht.

Kurze Zeit später sitzen wir mit Ahmad, "The a la menthe" und einer kleinen Mahlzeit vor seiner Herberge und können uns kaum sattsehen an der unglaublichen Szenerie der sich wandelnden Farben im letzten Licht des Tages.

Weiterführende Infos:
- Wüstengebirge Djebel Sarho
- Draa-Tal/-Fluß
- Lage Stadt N'kob
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Von Eleganz & Respekt

Philosophischer Einwurf

Marokko Motorrad - Tor in die Wüste
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Marokko Motorrad - Dattelpalme
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Marokko Motorrad - Schildkröte westlich Midelt
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Eleganz des Motorradfahrens
Wir düsen irgendwo durch Südfrankreich - oder Spanien - oder Serbien, Georgien, whatsoever. Wunderschöne Landschaft garniert mit herrlichen, ineinanderfließenden Kurven. Der Motor schnurrt. Vor mir vier weitere Hansels. Ein Schwung nach dem anderen.

Die Zeit steht. Der Kopf hat Freilauf. Frieden auf zwei Rädern. Und genau da fällt mir wieder einmal auf, welche Eleganz von einer Gruppe Zweiräder ausgehen kann, die in steter Harmonie von Kurve zu Kurve wedeln. Der erste kippt nach rechts. Der zweite. Der dritte. Nummer vier. Dann ich.

Derweil ich noch in der Rechtskurve fahre, legt sich die Schlange beginnend mit der Spitze bereits entgegengesetzt in die kom­mende Linkskurve. Perfekte Harmonie. Laola auf zwei Rädern.

Zimmermädchenabgabe
Thomas, unser Hr. Doktor, ist ein guter Kerl. Thomas, unser Hr. Doktor, brachte irgendwann mal die Idee vom Trinkgeld für's Zimmermädchen respektive Putzfrau auf.

Während Service-Kräfte in Hotels und Restaurants üblicherweise das ein oder andere Talerchen in Form von Trinkgeld mit heim nehmen, gehen die kleinen Helden des Hintergrunds üblicherweise leer aus.

Beim Verlassen des Hotelzimmers einfach ein Münzchen klar erkennbar auf's Kissen drapiert ist ein durchaus erkennbares Zeichen von Wert­schät­zung. Klitzekleiner Aufwand. Mög­lich­er­weise große Wirkung.

Unter anderem aufgrund solcher Ideen ist unser Hr. Doktor ein guter Kerl.

Dades- & Todra-Schlucht

Staub, Fels, Schweiß & Stein

Die Spuren der starken Regenfälle sind un­über­seh­bar. So auch hier nördlich von Bou­malne-du-Dades in der Dades-Schlucht.

Wir fahren durch Wasser; Straßen und Wege sind noch immer teils voller Geröll und Steine. Der Plan besagt: Dades-Schlucht und R704 fahren bis ans nördliche Ende und dann bei Agoudal rechts ab über die R703 gen Todra-Schlucht und Tinehir.

Doch es soll anders kommen: Auf Höhe Ait Marghad teilen uns Einheimische freundlich mit, daß die Straße weiter nördlich durch Überflutung und Erdrutsch unpassierbar ist. Wir könnten aber versuchen, über den etwas südlicher gelegenen Paß direkt gen Osten zu kommen. Auf Karten & GPS dürften wir uns aber nicht verlassen, da die Wege nicht mehr existieren. Gestern wäre aber wohl eine Geländewagencrew mit einheimischem Führer durchgekommen. Dann sollten wir es mit unseren Motorrädern ja wohl auch schaffen.

Recht sollen sie behalten. Sobald man in das Tal kommt, gibt es keine Wege mehr. Nur noch Felsen & Geröll. Wir wissen nicht einmal, in welches Tal wir uns hineinorientieren sollen. Also Ausschwärmen und Suchen. Kein leichtes Unterfangen, wenn man regelmäßig vor 2m tiefen Gräben steht und dahinter Weg­reste entdeckt.

Wir werden uns letztendlich aufteilen. Kay und Manfred drehen als erstes ab, um Hildes Federbein ohne Federweg nicht zu sehr zu belasten. Thomas und Peter werden später nach mühseliger Suche nach einem Weg folgen. Ich bleibe, zeige einer ital. Ge­lände­wagencrew samt einheimischem Führer den Einstieg ins Tal. Der Guide ist überzeugt, einen Weg zu finden sobald er den Tal­ein­gang erreicht.

Mir ist das recht. Ich dreh nicht gerne um. Und siehe da: Nach einigen hundert Metern durch's Chaos erkennt man plötzlich mögliche Pas­sagen. Das Auge liest jetzt plötzlich Wege, die man zuvor ratlos übersah im Chaos.
Und dann kommt das Härteste, was ich mit meiner dicken Twin samt Gepäck bis dato erlebt habe. Hitze. Hardcore über Stock und Stein. Felsen. Fußballgroße Steine. Kies. Die Bude kippt - zackig aufheben, Gas und am Geländewagen dranbleiben. Die ersten Ki­lo­meter sind vorbei. Die Arme lang. Der Mund trocken und staubig. War das eine gute Idee?

Marokko Motorrad - Paß Dades-Schlucht & Todra-Schlucht
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Ich räume Brocken für den Allrad aus dem Weg. Weise ein. Alle schwärmen aus und suchen mögliche Passagen. Und dann stoßen wir plötzlich auf einen entgegenkommenden, ver­keil­ten, aufsitzenden Dacia! Mietwagen. Deutsch. Nuja - dann kann der weitere Weg für uns nicht mehr tragisch werden. Für die anderen schon...

PS: Diese Passage war ein Highlight. Dades- & Todra-Schlucht mit ihrem Touristennepp - da waren wir uns einig, hätten wir uns gespart, hätten wir die weiter östlich gelegene Schlucht gekannt, die wir am nächsten Tag durchfahren werden.

Weiterführende Infos:
- Fluß Todra
- Todra-Schlucht (engl.)
- Fluß Dades
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Altobelli!

Schlitterpartie über den hohen Atlas

Die Touristenmagnete Todra- und Dades-Schlucht liegen hinter uns. Es geht weiter gen Nordosten. Und siehe da: Bei Goulmima biegen wir links ab und werden bis Er-Rich die Hauptstraße auf einer superschönen, ruhigen Nebenstraße umgehen.

Die Schluchten stehen denen weiter westlich in nichts nach - aber man ist allein.

Weiter nördlich - bei der Überquerung des Atlas - fängt es leicht an zu regnen. An sich kein Problem. Aber bald wird es kriminell:
Mein Mitas E-07 Hinterrad bricht beinahe un­kon­trollierbar aus. Heidewitzka! Das Herz sitzt in der Hose.

Mehrfach geht mir das Hinterteil weg. Die vorausfahrenden drei Motorräder sind längst weg. Ich trage meine Bude mit 40-50 über den Asphalt. Das Vertrauen in den Reifen ist dahin.

Weiterführende Infos:
- Strecke Goulmima - Er Rich

Hilde

Berberhochzeit & Starr-Rahmen-Motorräder

Midelt und mehrere sehr nette Kaffees - serviert durch zwei sehr nette Kellner - haben wir passiert. Etwas nördlich biegen wir - zwecks Aben­teu­er­fak­tor - auf eine kleine Straße gen Nordosten ab. Zwei kräftige Dellen in der Straße später fällt Hilde plötzlich zurück.

Die Experten rücken zwecks Diagnose zu­sammen. Gerunzelte Augenbrauen. Stirn­falten. Oha. Manfred hat zwei Federbeine. Also zwei halbe. Innovativ. Mal was ganz anderes. Kurz erwähnt sein sollte, daß Hilde aufgrund kurzer Beine ein artfremdes Fe­der­bein trug von dem die Herren Experten sagten, sie würden nur drauf warten, daß das Teil ohne Federweg nicht-axial durchwammst.

Da es spät ist und Hilde mit hängendem Bürzel kaum noch zu bewegen, suchen wir ein Plätzchen zum Zeltaufschlagen. Zuerst hetzt ein Vater sein einbeiniges, hart­näckiges Kind zeternd von rechts hinter uns her. Wir entscheiden uns spontan für die nächste Ein­fahrt links. Und landen jus­ta­mente in den Vorbereitungen für eine Berberhochzeit.

Fragende Gesichter - erhellt durch illustere Pantomime, Erkenntnis, Verständnis, Lächeln. Man nimmt uns bei der Hand, führt uns kurzerhand zu einer leeren Garage, trägt Teppiche und die Sitzkissen des Hoch­zeits­zeltes herüber und beginnt hernach, im großen Stile aufzutischen.

Am nächsten Tag - der ADAC ist in Marokko nicht aktiv, würde aber in ein paar Tagen den Transport gen BMW-Hauptvertretung in Agadir organisieren - düsen wir zurück gen Midelt. Transporter besorgen und wenn mgl. Ersatzteil auftun.

Wir lernen Hassan kennen, der - wie sich schlußendlich herausstellt - absolut selbstlos organisiert, telefoniert, macht, tut & für eine Lösung sorgt.
Hilde wird per Transporter gen Midelt geschafft, bekommt dort für kleines Geld ihr Federbein geschweißt und darf sich samt Fahrer sanft auf eine mehrere tausend Kilometer lange Heim­fahrt als Starr-Rahmen-Motorrad geistig ein­schwingen. Und Ein­schwingen ist nötig bei dem, was beide erwartet...
Marokko Motorrad - Teilnehmer einer Berberhochzeit auf Africa Twin
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Ich löse derweil ein Versprechen ein und lasse Abzüge der Fotos entwickeln, die die Hoch­zeits­kollegen auf meiner Mopete zeigen. In der Dunkelheit geht es noch einmal zurück zum Berberzelt. Mittlerweile - es ist der Vorabend der Hochzeit - ist das Gros der Gäste eingetroffen. Ein illusterer Reigen von Frauen, Männern & Kindern staunt als sich die Scheinwerfer meines Motorrads aus der Dunkelheit schälen.

Ich werde dem Familienoberhaupt vor­ge­stellt, man möchte mich unbedingt bewirten und drängt mich freundlich, als Gast zur morgigen Hochzeit zu bleiben.

Schweren Herzens fällt mein Entscheidung pro Rückfahrt gen Midelt. Meine Kollegens warten dort und so bleiben lächelnde Gesichter, winkende Hände, fünf Abzüge der Jungens auf einer Twin und ein Rücklicht, welches sich zügig in der Dunkelheit der Nacht verliert.
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Hilde II

Wehwechen, Qualm & Raucherpausen

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Aziz

Koryphäe der edlen Steine

Die jetzige Starr-Rahmen-Hilde und Transalp sind vorausgehumpelt gen Norden in Rich­tung Fähr­ha­fen Me­lil­la. Thomas und Peter folgen später gemütlich nach.

Ich bleibe noch, schwatze mit Hassan und seinem Kumpel. Bis Hassan meint "komm - ich möchte Dir noch etwas zeigen". Winkt einen vor­bei­fahrenden Pickup an, spricht kurz mit dem Fahrer, huckt auf die La­de­fläche und bedeutet mir, per Motorrad zu folgen. Und führt mich zu Aziz. Und damit zu einem weiteren kleinen Highlight.

Highlight nicht etwa aufgrund der Dinge, die ich gezeigt bekomme, sondern aufgrund des Men­schen Aziz, der funkelt, vor Begeisterung für seine Steine und Mineralien regelrecht sprüht, im Thema vollkommen aufgeht.

Er doziert über Vanadinite und Erythrit; haut mir Hintergründe und Entstehung von Ba­ry­thin-Kristallen um die Ohren, daß es nur so scheppert. Erklärt typische Fundorte von Fossilien und warum solche eben dort und nicht anderswo gefunden werden können.

Seine klitzekleine 2-Zimmer-Wohnung ist dabei ein fantastisches Sammelsurium von minutiös bis unter die Decke gestapelten Kist­chen und Kartons - geordnet nach Mi­ne­ra­lien-Typen, alles wieder fein säuberlich einzeln in Papier eingeschlagen, um es vor Be­schä­digung zu schützen.

Wir trinken Tee und Aziz erklärt mir mit glän­zen­den Augen und dem Auftreten eines freund­lichen Oryktognosie-Professors die Welt von Kristallen, Mineralien und Fossilien. Erzählt von Ammonit und Nautilus. Von Fund­orten rund um Midelt. Bergbau & Schächten.

Warnt mich vor den allenthalben am Rand der Straßen zu findenden Scharlatanen.
Marokko Motorrad 2014 - Marokkanischer Ammonit - Nautilus?
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Erklärt mir, wie die Fälschungen entstehen und wie man sie ausfindig machen kann.

Irgendwann schwenkt er seinen Arm in weitem Bogen über seine "Schätze" (in einem Raum, der kaum mehr als 6qm messen dürfte), bekommt einen etwas melancholischen Blick und meint: "Würde ich damit und meinem Wis­sen bei Euch wohnen, ich könnte ein wohl­ha­ben­der Mann sein. Aber ich bin Ma­rok­kaner - und so muß ich meine ge­samte Energie darauf kon­zen­trie­ren, meinen 2 Töchtern ihr Stu­di­um und eine 2-Zimmer-Wohnung zu fi­nan­zie­ren."

Kontakt Aziz Zani, Midelt:
00212 (0) 6 72 47 82 20

Weiterführende Infos:
- Oryktognosie
- Vanadinit
- Baryt
- Ammonit
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Hassan

Kleiner Mann mit großem Herz

Wie die Jungs Hassan aufgegabelt haben als es darum ging, Hildes Hinterlauf zu re­pa­rie­ren - ich weiß es nicht.

Mit seiner rauhen Stimme, seiner eher ge­die­genen Kleidung machte er einen sehr ge­schäfts­männischen Eindruck. Der Or­ga­ni­sa­tor vor'm Herrn. Ständig das Mobiltelefon am Ohr.

Anfangs war ich skeptisch, ob wir nicht ir­gend­wann eine dicke Rechnung auf den Tisch gepackt bekommen. Aber ich wurde eines wesentlich besseren belehrt.

Hassan hat einen Tag lang gemacht und getan. Rumtelefoniert. Uns zu Werkstätten und Leuten geschleppt. Abschlepper besorgt. Den Dolmetscher gemacht. Ist zig Kilometer gefahren, um das Motorrad zu holen.

Hat uns später eine gute Bleibe für kleines Geld be­sorgt. Die Jungs zu sehr gutem Essen ge­führt.
Und nichts für sich selbst verlangt.

Im Gegenteil sogar mir noch ein Geschenk mit auf den Weg gegeben.

Wir werden Marokko aufgrund vieler nicht zwangs­läufig positiver Erfahrungen leicht ge­nervt ver­las­sen. Gerade an der Fähre werden wir noch­mal die volle Breitseite mitnehmen. Dich aber möchte ich stell­ver­tretend für all die vielen freund­lichen Men­schen, die wir trafen, die vielen freund­lichen Gesten; die herzliche, selbstlose Auf­op­fe­rung, die man in unserer eigenen, ver­gleichs­weise wohl­ha­ben­den Heimat trotz entsprechender Mög­lich­keit kaum erfahren wird, dieses Kapitel schließen lassen.

Es war mir eine große Freude, von Dir eines Besseren belehrt wurden zu sein, Hassan, kleiner großer Mann aus Midelt. Shukran djazilan.

Auf Wiedersehen, Marokko. Ntlqaw.
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