Iran per Motorrad 2013 - Rückweg über Georgien

10 Tage Spaß (Stand: 2014/12/26)

Kaukasus, Karpaten, Tatra

oder Endlich Regen

Moppet in Ushguli (Georgien) vorm Mount Shkhara
Ushguli (Georgien) vorm Mount Shkhara

Tagesetappen Rückweg
- Tag 18, 18.08.2013, 205km (Armenien)
- Tag 19, 19.08.2013, 476km (Armenien)
- Tag 20, 20.08.2013, 283km (Georgien)
- Tag 21, 21.08.2013, 237km (Georgien)
- Tag 22, 22.08.2013, 62km (Georgien)
- Tag 23, 23.08.2013, 284km (Georgien)
- Tag 24, 24.08.2013, 511km (Türkei)
- Tag 25, 25.08.2013, 696km (Türkei)
- Tag 26, 26.08.2013, 393km (Bulgarien)
- Tag 27, 27.08.2013, 520km (Rumänien)
- Tag 28, 28.08.2013, 373km (Rumänien)
- Tag 29, 29.08.2013, 501km (Slowakei)
- Tag 30, 30.08.2013, 405km (Tschechien)
- Tag 31, 31.08.2013, 690km (Deutschland)

Routen noch nicht verlinkt

Nach dem Iran folgt noch ein schnelles In­ter­mezzo in Georgien. Also geht es im Sau­se­schritt über Armenien gen Kaukasus. Nach zwei Wochen Enthaltsamkeit im Iran gibt es wieder Bier und wir werden in Georgien auf die härtesten Abschnitte der gesamten Tour stoßen.

Nach vier Tagen Georgien geht es über Tür­kei, Bulgarien, Rumänien, Slowakei und Tsche­chien zurück gen Heimat. Unterwegs gibt es noch einiges zu erleben. Und auch Kol­lege Regen wird uns ab Armenien re­gel­mäßig heimsuchen und die ein oder andere Strecke kräftig aufwürzen.

Auf zum Gebirgshopping: Kaukasus, Kar­pa­ten, Tatra.

Armenien I

Über Berg und Tal

Die erste Nacht außerhalb Irans ist überstanden. Mit ehemals in der DDR sta­tionierten Soldaten haben wir herum­gegeikelt. Endlich wieder Bier getrunken. Ein herzhaftes Nicht-Spieß-Gericht gegessen. Und die Mädels rennen selbst hier in der Pampa so aufreizend herum, daß uns Iran-Rei­sen­den regelrecht die Kinnlade herunterfällt. Alles klar - wir sind in Armenien.

Kulturbanausen wie wir sind, machen wir Ar­menien an einem Tag. "Vier Tage Georgien" heißt unser Ziel. Also aufgesattelt und los geht's.

Stacheldraht und Berge - so unsere ersten Eindrücke. Die Berge sind phantastisch hier am Aras-Fluß und auch weiter nördlich - schlicht grandios. Auffällig ist die scharfe Stacheldraht-Grenzlinie und Wachtürme als auch befestigte Bunkeranlagen auf ar­me­nischer Seite. Drüben am anderen Flußufer gab es nichts dergleichen. Wer schützt sich hier vor wem?

Die Strecke Meghri - Kapan über die M17 ist für Motorradfahrer einfach grandios. Tolle Landschaft, super Straße, Kurven, Ser­pen­tinen, Berge. Top.

Die Menschen sind anders. Auch sehr freund­lich, aber spürbar distanzierter als im Iran.

Westlich von Goris wechselt die Szenerie von wilder Berg- und Tal-Landschaft zu aus­ge­dehn­ten Hochflächen, sanften, grünen Hü­geln - Weite.

Ich fange mir zwei Bienenstiche - einmal Bizeps, einmal Gesicht. Sowohl in Iran, Armenien als auch Georgien sieht man an den Straßenrändern überall die bunten Bienenkisten. Kopf runter und durch. Klappt leider nicht immer...
Serpentinen südlich von Goris (Armenien)
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Wir nähern uns dem Sewan-See. Auf 1.900m Höhe gelegen ist er nicht nur der größte See der gesamten Kaukasusregion, sondern einer der größten Hochgebirgsseen der Welt.

Blaues Wasser, ein ebensolcher Himmel & Stände mit Räucherfisch am Straßenrand laden zum Verweilen. Wir jedoch wollen weiter. Georgien ruft.

Als wir die Stadt Sevan am nordwestlichen Ende des Sees erreichen, färbt sich der Himmel, die ersten Tropfen fallen. Verpackt in unsere Regenklamotten werden wir heut nur noch bis Vanadzor kommen, um dort im Kirkovan-Hotel einem neu entdeckten Hobby zu fröhnen: Bierchen trinken.

Weiterführende Infos:
- Sewansee
- Vanadzor
- Strecke Meghri-Kapan im Motoplaner
- Serpentinen südl. Goris bei Vorotan

Armenien II

Fußballkopf & Sanispaß

Zweiter Tag in Armenien. Ich wache auf und ... äh? Da stimmt was nich...

Ein Griff an den Kopf und ich weiß: Du solltest ins Bad gehen und in den Spiegel kucken. Nimm am besten gleich den Fotoapparat mit. Und siehe da: Ich kann mich nicht ent­scheiden, ob der Kopf, der mich dort ankuckt jetzt eher nach Fußball oder Karnickel aus­sieht.

Ich weiß jetzt: Auf Biene - zumindest auf die Art, die mich zweimal erwischt hat - bin ich wohl allergisch. Der Kopf paßt kaum noch in den Helm und mein linker Bizeps ist endlich mal kugelrund. Da ham die Viecher wirklich ganze Arbeit geleistet!

Kurz vor der armenisch-georgischen Grenze trage ich meine Kürbis-Rübe bei einem Zwischenstop mal eben kurz in eine Klinik. Fünf Muddis werden sich nach und nach über mich beugen. Erst gibt's eine Spritze in die Schulter. Dann freun mer uns alle mit­ein­ander. Muddi sechs steht plötzlich im Raum und bringt uns allen Bonbons. Wir freun uns wieder und lutschen munter drauf­los.
Zweimal hat sich das Bollchen im Munde gedreht, da bekommt Muddi eins nochmal schnell einen Geistesblitz. Zackbumm. Hose runter. In Poppes gibt es auch noch eine Spritze.

Wir freun uns alle nochmal miteinander. Ich sage allen kreisrund ganz lieb tschüß: Den noch anwesenden fünf Muddis, dem Haus­meister, den Aufnahme-Mädels vorne im Krankenhaus und alle Kranken winken mir auch nochmal zu. Dann bin ich wech und es kann weitergehen.

Und die Moral von der Geschicht: Sieht Pampa-Muddi Hintern gern, sollt Pampa-Muddi Imker wern...
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Georgien

Spring mein Herzlein, spring

Die Grenze - mitten auf dem Feld und superentspannt - ist passiert. Wir sind in Georgien, haben vier Tage Zeit und wollen Spaß. Abanopaß wäre toll. Chachmati-Paß. Spielplätze ohne Ende. Aber nur vier Tage für rein, Spaß und wieder raus. Also wird's eine kleine Runde über Lentekhi - Koruldashi - Ushguli - Mestia - vorbei am Enguri-Stausee - nach Zugdidi. Armenien - Ninotsminda rein und über Batumi - Gonio wieder raus. So is schick. Und so soll's sein.

Und was freu ich mich, wieder in Georgien zu sein! Wir fliegen über die grüne Hochebene. Kühe auf Straße und am Rand. Die Kinder in den Dörfern winken. Mein Herz, es springt! Georgien, Du geiles Land, wir sind wieder da! Ich freu mich wie ein kleines Kind.

In Ninotsminda - die Erinnerung ist noch frisch - steuern wir als erstes das Hotel Ararat an und besuchen Armen. Viel hat sich getan. Man sieht es auf den ersten Blick. Aber die Herzlichkeit ist die gleiche geblieben.

Ob bei Armen oder draußen auf der Hauptstraße. In der Bank, beim Kaufen von Durchfalltabletten oder beim Schwätzchen auf der Straße. Die Leute sind herzlich, interessiert und der ein oder andere spricht noch mehr oder minder gut deutsch aus Zeiten der Stationierung in der DDR. Für sie war es eine Auszeichnung, daß sie damals im Ostteil Deutschlands dienen durften. Es wird schwadroniert und geschwatzt. Bis...
Jungs! Ich muß dringendst los! Warte vor Stadt auf Euch! Macht entspannt! Und wech isser. Aber sowas von...

Mein iranischer Durchfall - ein Abschiedsgruß so zu sagen - hat mich fest im Griff. Und natürlich werden in exakt den versteckten Feldweg - scheinbar unbenutzt und jungfräulich - exakt dann nach und nach eine Schar Fahrzeuge einbiegen, wenn ich hilflos der Dinge harre...

Im Tal des Paravani-Flusses (Georgien)
Tal des Paravani-Flusses

Die zwei georgischen Durchfall-Tabletten, die ich mir hernach einpfeiffe - die dt. schmeiß ich später weg - werden dem Spuk übrigens endgültig ein Ende bereiten. Wollnmer doch mal sehn, Freundchen...

Verkehr

Kamikaze im Ländervergleich

Unbenommen: Dem Iran gebührt die Krone des Verkehrs-Wahnsinns. Feuer frei! Überholen, wo Platz ist. Spontaner U-Turn im Vollverkehr. Rechtsdurchreißen aus der linken von drei Spuren + Parkstreifen. Zähne fletschen zur Unterstreichung zur Schau getragenen Lenkrad-Wahnsinns. Unmengen an Fahrzeugen aller Klassen. Und alle - PKW, Mopped, LKW, Bus, ... - machen auf Tiefflieger... Liebe Iraner, Ihr seid meine persönlichen Spitzenreiter im Bereich Hardcore-Verkehr. Bei Euch lohnt es sich wenigstens erster zu sein. Endlich war auch ich mal richtig durch Verkehr genervt. Die Georgier sind Kindergarten gegen Euch.

Was man Euch nichtsdestotrotz lassen muß: Trotz aller Härte seid Ihr äußerst reaktionsschnell und unerwartet rücksichtsvoll. Einer bekommt immer ne Chance. Ihr fahrt hart, aber tolerant.

Der gemeine Armenier ist da anders: Die Armenier halten auch mal wissentlich drauf. Ist im Iran rechts oder links Überholen im Gegenverkehr ein viel genutzter Weg - unabhängig der Fahrzeugklasse, kann das bei den Armeniern ein paar Kilometer weiter einem das Genick brechen.

Genug Platz auf der Straße. Bus und LKW vorn. Ein Vectra kommt entgegen. Bus, Motorrad und PKW würden im Falle des Falles sehr gemütlich auf die Straße passen. Aber nicht mit einem Armenier. Er hält drauf. Zieht rüber. Mopped glücklicherweise bereits zwischen Bus und LKW eingeschwenkt. Freund Armenier zieht haarscharf an Bus und LWK vorbei. Mehrfach erlebt.

Liebe Georgier, Ihr wart bis dato meine Spitzenreiter im toleranten Verkehrschaos mit einer Prise Wahnsinn. Gegenüber den Iranern - sorry. Da fahrt Ihr leider keinen Blumenstrauß ein. Muh-Kuh-Slalom hat man schnell gelernt. Und einen georgischen Rennfahrer sollte man nicht überholen. Hält man sich daran, kann man mit einer überschaubaren Menge Verrückter sehr nett 8-spurig auf breit-2-spurigen Straßen unterwegs sein.

Sieger: Iran.

Überraschung - Rumänien. Liebe Rumänen, Eure Fahrzeuge haben sich drastisch vermehrt. Und Ihr seid berechenbarer, sachter geworden. Ihr steht eh bald im nächsten Landstraßenstau...

Erneuerbare Energie

...oder Kuck mal mein Spritverbrauch

Super Tag. Sonne brennt. Jungens glücklich. Alles schick.

PKW-Schieben im georgischen Paravani-Tal - Erneuerbare Energie mal anders
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Wir haben angehalten im Paravani-Tal und kucken über's Wasser auf ein altes Gemäuer, da rollt aus östlicher Richtung lautlos ein PKW auf uns zu.
Er rollt und rollt und ... wird langsamer. Langsamer. Langsamer - der Fahrer huckt raus und fängt das Schieben an.

Wir sprinten rüber - es geht berghoch - und schieben aus Leibeskräften die Bude den Berg hoch.

Oben angekommen schnelles Dankeschön, reingehuckt, weitergerollt. Uns geht die Pumpe...

Irgendwie muß ich an meinen Kumpel Frank aus Deutschland denken - ja, Dich, Kollege - der immer schwärmt über den wahnsinnig niedrigen Verbrauch seines Audi A2...

Und irgendwie weiß ich plötzlich auch, daß erneuerbare Energie auch ihre Schattenseiten für mich haben kann...

Sixdays - Part One

Urlaubsörtchen, Berg hinauf

Vier Motorräder tingeln voller Freude durch das Tal des Paravani-Rivers. Kurve an Kurve. Guter Asphalt. Alles grün. Ab und an ein kurzer Blick auf kantige Felsen. Wir haben Spaß und lassen's fliegen.

In Akhaltsikhe geht's rechts raus. Tanken. Lebensmittel holen? Ach Quatsch. Schnell rechts abbiegen und die gelbe Straße hoch nach Kutaisi. Zwei Stunden und wir trinken dort ein Bierchen...

Denkste... Haha. Gleich geht's in einen der härtesten Abschnitte der gesamten Tour...

Was wir nicht wissen: Wir werden gleich den 2.182m hohen Zekari-Paß in Angriff nehmen. Und selbigen ahnungslos noch verschärfen.

Aber von vorn: Wir biegen tatsächlich rechts ab und passieren bald Abastumani. Offen­sichtlich ein Kurort. Wenn auch er schon bessere Zeiten gesehen zu haben scheint. Und dann plötzlich Schotter. Oha! Zwei Stunden bis Bierchen? Hätten wir vielleicht doch einkaufen sollen? Egal - vorwärts gehts...

Ei kuck. In einen Nationalpark fahren wir jetzt auch. Aber die Schranke ist offen. Straße (wegchen) offiziell. Noch schnell ein Foto ... und die andern sind wech.

Direkt hinter der ersten Spitzkehre erkenne ich meinen Fehler - und da geht mir auch schon das Vorderrad weg. Vollgas hilft jetzt auch nichts mehr. Zack. Die Karre liegt.

Aufheben klappt nicht. Meine Füße rutschen weg im Staub. Also abladen. Aufrichten. Einräumen. Zwischendrin kommt Maik zurück. Aufsitzen. Und beim Anfahren gleich nochmal umschmeißen. Höhö. Super...

Mit zwei Stunden bis Bierchen wird hier mal pauschal gar nix. Es geht steil aufwärts. Staub. Steine. Felsstufen. Rillen. Das artet in Arbeit aus. Kutaisi rückt in weite Ferne. Und kein Bier gekauft. Mit Hermann wär das nicht passiert... ;)
Nach gefühlten 20 Kilometern - es waren wohl 5 - stoßen wir auf eine Lichtung, einen Lada Niva in orange und fünf georgische Jugendliche samt Lager­feuer.

Johlen. Winken. Ich bremse.

Vor uns eine Weggabelung. Rechts zivil und schottrig. Links geht's STEIL bergauf. Dazu muß man wissen, daß uns zwei Transalpfahrer heute Nachmittag erzählten, der linke Weg wäre problemlos zu fahren. Büssi Schotter. Kein Problem. Der hier - links - sieht aber überhaupt nicht so schick aus. Also frag ich doch mal nach... (wir werden später rausfinden, daß die TA-Fahrer nicht diesen Weg meinten...)

Die Georgier wollen unbedingt mit uns trinken. Georgischen Rotwein. Feiern. Tschatscha. Holdriho. Aber wir haben nur vier Tage für Georgien. Und grad geht ein halber uns verloren. Also wollen wir weiter.

Mit Händen und Füßen heißt es immer links. Hoch und oben easy bedeuten die Jungens. Rechts? Nee. Links! Kurz hoch und oben easy! Wir stutzig. Rechts sieht besser aus. Und dann unser Fehler: Wir nehmen links. (Auf der Landkarte liegen zwischen beiden Wegen zig Kilometer Differenz - deshalb testen wir rechts gar nicht erst.)

Maik fährt allein voraus - antesten. Der Motor heult. Wieder und wieder. Zwar entfernt er sich, verschwindet im Wald, aber es hört sich nach Kampf an. Plötzlich Ruhe. Ich hinterher. Aber er kommt schon zufuß den Hang herunter. Lacht. Verdreht die Augen. Seine Karre steckt in einer Rinne fest. Easy?!?

Wir alle werden auf 3/4 Höhe des Hanges übernachten. Die Dunkelheit war schneller. Und kein Bier dabei...

Weiterführende Infos:
- Zekari-Paß & Kutaisi-Bagdathi-Abastumani-Benara
- Georgien

Sixdays - Part Two

Hardcore, Schlamm & Tamada

Nächster Morgen: Der linke Weg ist nicht der auf der Karte eingezeichnete. Es ist lediglich eine Allrad-Abkürzung für den Schotterweg, der sich gemütlich östlich den Berg hinauf­schlängelt. Und die Allrad-Abkürzung ist so stark ausgespült, daß wohl auch nur die wenigsten Geländefahrzeuge dort hinauf­kommen. Das wissen wir, nachdem wir oben an­ge­kommen sind...

Flechten in den Bäumen zeugen von regelmäßiger Feuchtigkeit
Flechten in den Bäumen

Noch 250m den Hang hinauf und wir stoßen nach entsprechender Strapaze am gestrigen Abend wieder auf den Schotterweg, der von Osten gemütlich auf der Kuppe ankommt.

Aber wirklich besser wird es nicht. Es beginnt zu regnen. Nebel. Wolken. Es wird eine interessante Schlammschlacht gen Baghdati. Anfangs schmierig. Später richtig schlammig.
Und final wieder Steine, Fels­stufen, ausgespülte Rinnen - im Regen jetzt teils schick glitschig.

Eines der Moppeds werden wir nachher auf­heben und teilweise in sich richten müssen. Aber dabei bleibt es dann. Keine weiteren Schäden. Genaugenommen eine höchst interessante Strecke. Nur unsere Böcke sind für die Verhältnisse schlicht zu schwer.

Zekari-Paß nördlich Abastumani (Georgien)
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Unten angekommen werden wir sogleich freundlich von einem Imker zum Essen eingeladen. Eine georgische Deutschlehrerin wird heranchauffiert und dann lernen wir beim zweiten - teilweise schon dritten - Besuch Georgiens die Tradition des Tamadas - des Tischführers - kennen. (nicht zu verwechseln mit Tamerlan)

Vielen Dank für die Einladung, lecker Essen und Trinken sowie das nette Gespräch.

Weiterführende Infos:
- Strecke Abastumani - Baghdati im Moto­planer (rot = leicht)
- Paravani-River-Valley im Motoplaner
- "Paravani Lake" in en.wikipedia.org
- "Tamada" in de.wikipedia.org
- "Tamerlan" (aka Timur Lenk) in de.wiki­pedia.org
- Interessante Orte:
Abastumani, Akhalkalaki, Akhaltsikhe, Kutaisi
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Koruldashi, Schlamm, Chemie-Ruine

Vorwärts immer - rückwärts nimmer

Wir sind heut noch nicht lang unterwegs, da fällt erst mein linker Spiegel ab und dann die ersten Tropfen. Eine Spur von Demotiviertheit macht sich breit in der Mannschaft. Kurzes Gerappel und es geht weiter.

Kay und Maik tanken unterwegs. Thomas und ich vermuten fälschlicherweise, daß wir in Lentekhi nochmal werden tanken können - die letzte größere Ortschaft vor der Runde. Aber weit gefehlt. Dort gibt es nix außer 2L Sprit aus Eimer. Nuja, die 800er nimmt eh nix, ich habe 23L Tank, viel Rollen, Motor aus - 150 werden wohl noch drin sein. Wir steigen einfach so ein - inkl. Gewichsvorteil durch bereits gut angefressene Tanks. (letzte Tankstelle 20km VOR Lentekhi rechterhand am Straßenrand - in Lentekhi KEIN Benzin! Mestia besitzt zwei Tankstellen am westl. Ortsausgang)

Nach ein paar trockenen, staubigen Ki­lo­metern durch Dörfer, vorbei an Kühen, Ziegen und Hühnern stoßen wir auf zwei kräftig be­packte Straßenmaschinen mit Richtung Ush­guli. Oha.

Drauf sitzen ein russ. Päärchen und ein Moldawier, die sich mal irgendwann auf einem Motorradtreffen kennengelernt haben. Marsch­richtung Berge.

Kurzes Schwätzchen und auf geht's über staubige Wege, Schotter und sandige Passagen - bis der Regen sich nicht mehr nur ankündigt sondern kräftig loslegt.

Die Mannschaft unter einen Baum, Re­gen­klamotten überstreifen - und zweie wollen plötzlich nicht mehr weiter. 15 Minuten später werden tatsächlich die beiden Straßen­maschinen an uns vorbeiziehen, was auch unsere zwei Männecken anstichelt weiter­zu­fahren.

Mit den Enduros und besserer Bereifung sind wir wesentlich schneller und haben die drei nach ein paar Minuten eingeholt. Team Moldawien legt denn auch gerade die Maschine in den Schlamm, steht aber wieder, bevor wir mit anpacken können.
Wir pfeiffen vorbei. Nach einer besonders schmierigen Passage einen guten Kilometer weiter halte ich aber an, um den Kollegen notfalls Schützenhilfe beim Durchfahren zu geben.

Morgengrauen vorm Gletscher Nähe Koruldashi
Morgengrauen am Gletscher bei Koruldashi

Minuten später rollen die beiden Maschinen langsam an mir vorbei - Team Moldawien lag nochmal. Der vordere Straßenreifen hat nicht mehr viel Profil.

Wir werden uns noch zweimal sehen und dann final vorn wegziehen durch schmieriges, verspurtes Gelände, teils tiefe Löcher, durch Allradwagen ausgefahrene Rillen... (die südl. Waldzone ist feucht schwieriger als die Schotterstrecken oben)

Wir werden mit einem Sturz samt verdrehtem Knie, was uns morgen noch beschäftigen wird, bei fast vollständiger Dunkelheit unterhalb des Gletschers nahe einiger Ruinen unsere Zelte aufbauen. Ich schmeiße meine Karre aus dem Fast-Stand auch nochmal weg.

Kurze Zeit später brennt ein sehr feuchtes Lagerfeuer und ein, zwei unserer Gedanken schweifen zu den Fahrern der beiden Straßenmaschinen mit der Hoffnung, sie mögen ein trockenes Plätzchen erreicht haben.
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Mestia - Ushguli

Eine Region bewegt sich

Neuer Tag, neues Glück. Es ist sehr frisch im ersten Licht des Tages. Vom Nullpunkt sind wir nicht weit entfernt. Aber die Sonne wird bald alles durchtrocknen.

Allerdings gibt es ein Problem: Thomas hat sich das Knie beim gestrigen Sturz kurz vorm Ziel so stark verdreht, daß er nicht mehr auftreten kann. Es wird einiges an Zeit vergehen, bis die Überzeugung greift, besser über die vor uns liegenden Schotter­passagen voran als über die schmierige, noch schattige Strecke durch den Wald zurückzufahren.

Und richtig: Der Zagar-Paß (2.623m) liegt im gleißenden Sonnenschein. Der Schotter ist griffig. Schmierige Stellen sind fast ab­ge­trocknet. Saftig grüne Bergwiesen. Bunte Blumen am Wegesrand. Weiße Bergspitzen blinzeln über die grünen Grashänge. Ein herr­liches Fahren...

Wir werden feststellen, daß die gesamte Haupt­route im Laufe von zwei Jahren bereits dramatisch ihr Gesicht geändert hat. Ushguli ist noch sehr "robust", läßt aber durch eine Gutzahl an Touristen; kleinen, improvisierten Straßenkneipen und Lädchen die Marsch­richtung erkennen. Der Shkhara (5.193m, höchster Berg Georgiens, 3. höchster Berg des gesamten Kaukasus) thront als weiße Wand über dem Verbund von vier kleinen Dörfern und blickt entspannt auf das bunte Treiben.

Über den Uigir-Paß (1.922m) geht es dann nochmal über Schotter, Staub und die ein oder andere feuchte Stelle gen Mestia. Und dort werden wir erstaunt die Augen aufreißen!

Heidewitzka! Was hat sich hier alles getan! Vor zwei Jahren ein Riesenloch in der Orts­mitte, staubige Feldwege, urige Berg­atmo­sphäre - all gone.
Mit staatl. Mitteln ist Mestia - zumindest die sichtbaren Teile (Straßen, Infrastruktur, Häuserfronten, ...) - in einem Gewaltakt auf beschauliches Alpen-Ski-Paradies getrimmt wurden. Outdoor- & Skiausrüster-Werbe­ständer überall. Gepflegte Fassaden. Werbe­tafeln an allen Ecken und Enden. Au Backe! Für Mestia - hoffentlich - super. Für uns persönlich und sehr subjektiv ein NoGo. Dann könntmer auch in den Alpen bleiben...

Die Strecke Zugdidi entlang des Enguri-Tals bis Mestia ist bereits asphaltiert. Mestia - Ushguli wird laut Aussagen von Einheimischen (2013) in den nächsten Jahren folgen.

Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß Swanetien weiterhin einen hohen Reiz auch bzgl. Ursprünglichkeit bewahren wird. Verläßt man das Haupttal und fährt rechts, links die Stichstraßen hinauf, trifft man sofort wieder auf die Ursprünglichkeit. Und die Natur tut ihr übriges: Ein aufgewühlter Enguri (Inguri), Muren, Hangrutsche und schweres Räum­gerät lassen keinen Zweifel auf­kommen, daß Swanetien seinen herben, ur­sprünglichen Charme noch lange wird be­halten können.

Ein Paradies für Naturliebhaber, Wanderer, Ski­fahrer, ...

Weiterführende Infos:
- Region: Swanetien
- Berge: Shkhara, Ushba, Tetnuldi
- Pässe: Zagar
- Flüsse: Enguri
- Städte/Orte: Mestia, Ushguli
- Kordulashi - Ushguli - Mestia im Motoplaner
- Reiseberichte/Links: 1, 2, 3, 4, 5
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Türkei - fast forward

Husche, Köfte, Bosporus

Die Türkei nehmen wir im Schnelldurchlauf. Natürlich nicht ohne noch etwas Zucker...

Zuvor wollen mir zwei Mädels im letzten Laden vor der georg.-türk. Grenze für 1x 1,5L Wasser & 1x 2,5L Bier 40 statt 4 Lari abknöpfen. 20 EUR für zwei Flaschen... nicht schlecht, Mädels. Respekt.

Die beiden Kriminellen unserer verbliebenen Truppe werden bei Einreise gen Türkei gleich erstmal weggefischt. Die Jungens sehen so verboten aus, daß ihre Buden durch die Röntgen-Halle müssen. Tja... Gesichts­kon­trolle kann auch in die Hose gehen, Freunde...

Die türk. Schwarzmeerküste fährt sich super. Auch wenn es sich zieht. Rechterhand das Meer. Linkerhand abwechselnde Szenerie aus Bergen, Wäldern, Städten, Minaretten. Zwischendrin mal kurz ein schickes Fisch­restaurant besucht. Ohne angebautes Visier mit offenem Cross-Helm durch einen Sturz­regen gefeuert - ich sehe fast nichts, ducke mich soweit irgend möglich hinter meine Verkleidung, der Regen hämmert ins Gesicht.

Kleine Schotterstrecken nordöstlich Istanbul
Schotterstrecke nordöstl. Istanbul

Südwestliche, türkische Schwarzmeerküste Nähe Agva
Türk. Schwarzmeerküste Nähe Agva

Alle pitschnaß - wir dachten, es wäre nur ein kurzer Schauer. Haha. Is ja warm. Trocknet sofort beim Fahren. Aber nich mit einem gehörigen Schwarzmeerwolkenbruch, meine Lieben! So nisch...

Mit Agva werden wir einen beschaulichen kleinen türkischen Schwarzmeerurlauberort entdecken. Knapp vor Einbruch der Dunkelheit. Und das beste: Aqva ist ein ausschließlich türkisch besuchter Urlauberort. Hoho. Wer hät's gedacht...

Kurz vor Erreichen des Bosporus orientieren wir uns nach Norden. Dribbeln über kleinste Sträßchen. Nehmen Schotterpisten entlang des Meeres - Thomas legt kurz nochmal ab, der Schelm. Wir hoffen, nördlich von Istanbul so etwas wie eine Fähre zu bekommen, um das Ballungsgebiet umgehen zu können.

Doch weit gefehlt, Freunde der Nacht. Fähren im nördlichen Bosporus? Es gibt nur Personen-Barkassen und Schwimmflügel. Also flink ein letztes Mal Baklava nach lecker türkischem Fisch und auf ins Getümmel von Istanbul...
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Navi kürzeste Strecke

Aber hossa...

Gestern Abend sind wir noch über eine super entspannte Grenze von der Türkei gen Bulgarien gehupft. Kays TransAlp brauchte mal wieder eine Ladung Rettungsbenzin (schon putzich wie der Kerl vor uns das Mopped beim Fahren ständig rechts, links schmeißt, um auch noch die letzten Tropfen Sprit in den Vergaser zu schütteln). Geschlafen und lecker gegessen wurde in Malko Tarnovo im Sveti Nicola. Sehr nett. Top Argumente.

Plan für heute: Einmal quer durch Bulgarien und über Ruse rein nach Rumänien. Und dann kommt's: Thomas sagt seinem Handy, es soll die kürzeste Route wählen. Und heidewitzka - kürzeste Route ... das kann es! Bulgarien Hinterland und kürzeste Route... das wird ein Spaß.
Anfangs noch eine normale Straße, folgt bald ein winziges Asphalt-Bändchen. Ein Sattelzug liegt quer über den Weg links im Graben. Der schwankende Fahrer blinzelt erstaunt als wir rechts vorbeipfeiffen.

Nach dem nächsten Dorf geht's plötzlich in den Wald. Wald? Äh, ja. Kilometerweite Schotter­pisten. Staub bis Abwinken. Allerhinterste Pampa.

Wir werden ein ahnungsloses Zigeunercamp mitten im Wald aufscheuchen. Genauso wie eine verdutzte Rotte Wildschweine. Die sehen rein optisch übrigens besser aus als wir nach der Puderfahrt - es knarkst im Munde beim Erzählen...

Herzensangelegenheit

Schweißkunst auf Bulgarisch

Irgendwo an der türk. Schwarzmeerküste habe ich festgestellt, daß meine Kiste im Rückspiegel bedenklich wackelt. Diagnose: Die vorderen beiden Aufnahmebleche der originalen Gepäckbrücke - 0,5er Stärke (und natürlich viel zu dünn) - hat's gehimmelt. Heißt: Die Kiste hat am vorderen Bügel Spiel nach oben.

Nuja - nichts, was man mit ein, zwei Zurrgurten nicht temporär beheben könnte. Klappt auch ganz gut.

Nach ein, zwei weiteren Offroad-Passagen sowohl in Türkei als auch dann in Bulgarien suchen wir aber doch mal passend eine Werkstatt. Ich baue Kiste, Sitzbank, Seitenteile und Heckverkleidung ab und erkläre den Jungens dann mit Händen und Füßen "sssssssst. Metall auf Metall. sssssssst" (ein, zwei Fliegen und Wespen lachen sich vermutlich tot über meine Summ-Imitation), daß da was geschweißt werden muß.

Es wird gekramt. Einer rennt los, Elektroden holen. Letztendlich wird mit Schutzgas geschweißt. Wir sind ein illusteres Trüppchen - alle 8, 9, 10 Leute miteinander. Es wird gebratzelt und verstärkt. Gewindestangen geflext und angebrutzelt. Geschliffen. Ab­ge­kühlt. Und voila.

Dicke zwei Stunden nach Operationsbeginn wird Chef vor seinem Computer sitzen und
bei Google Translate als Antwort auf meine Frage was zu bezahlen wäre eingeben: "DAS IST UNS EINE HERZENSANGELEGENHEIT".

Mnogo blagodarja, tawarischi.

Nach getaner Arbeit. Schweißkunst auf bulgarisch.
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Baumstamm-Artist

oder Pappa, laß das...

Das Wetter meint es nicht gut mit uns in Rumänien. Regen, Nebel, kalt. Aber was soll's? Wir stehen vor'm Vidraru-Stausee - oder besser gesagt: Oben drüber. Und es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder im Regen östlich des Sees über Asphaltstraße oder im Regen westlich des Sees durch Tunnel und über Schotter.

Was für eine Frage! Los geht's durch den ersten Tunnel und dann folgt nochmal ein schickes Offroad-Späßchen. Wer hätt's ge­dacht?

Schotter. Löcher. Schlammige Spuren. Aus­ge­fahrener Waldweg. Und das alles ge­müt­lich und ganz für uns allein am west­lichen See­ufer.

Ganz allein??? Ähm - nö... nich ganz...

Nach vielleicht einem Viertel/einem Drittel der westlichen Wegstrecke stoßen wir auf zwei PKWs und 8-10 Personen. Es hat kackfrech unseren Weg weggespült. Gut, daß die Leuts dort stehen. Hätt sonst interessant werden können.

Wird es aber auch so: Derweil wir mit den Moppeds gerade noch so über das verbliebene Restchen Ex-Weg kommen und auch Fußgänger noch bequem - wenn auch mit offenen Augen - passieren können, sieht es doch für Zweispurfahrzeuge schlecht aus. Wenn nicht gar unmöglich.

Das will der Fahrer des einen Wagens - beide Fahrzeuge haben ja nun den Weg von der anderen Seite kommend fast hinter sich... - nicht wahrhaben. Pappa - der älteste im Bunde - hievt mit störrischem Gesichts­ausdruck einen Baumstamm über das klaffende 2-3m tiefe Loch welches in direkter Symbiose mit dem dahinter folgenden Hang zu stehen scheint. Äh? Der will doch nich etwa?!? Doch. Der will!

Pappa - zielstrebig wie ein Ziegenbock - legt den Stamm über das wirklich nicht kleine Loch. Gute zwei Meter nix in jedweder Richtung wären da zu überbrücken. Er plant offensichtlich, die PKWs mit den linken, dem Hang als auch Ausbruch zugewandten Rädern über den Baumstamm zu fahren. Nur, daß der eben rollt...
Artiges Stück Weg westlich des Vidraru-Stausees (Rumänien)
Westl. Umfahrung des Vidraru-Stausees

Ich sage zur Dame neben mir auf englisch "ich würd's auf keinen Fall versuchen, solang der Stamm nicht fixiert ist." Sie darauf: "Ich auch nicht. Aber sag ihm das..."

Die Kinder sehen das ähnlich und hängen Pappa am Bein. Bööötte, bööötte nicht, Pappa...

Der Zickenbock aber sieht so aus als wäre ihm das SCHEISSEGAL! Möch hat noch kein Erdloch bezwungen! Das Loch, was mich kricht, muß erst noch erfunden werden, Du Scheiß­ding...!

Wir steigen lieber auf und fliegen weiter. Das Drama wollen wir uns nicht mit ansehen.

Direkt nach dem Vidraru-Stausee kommt übrigens gleich das zweite Highlight: Die Transfagarasher Hochstraße vorbei am Balea Lac. Ein wunderschöner Hochgebirgspaß in­klu­sive Serpentinen und allem, was das Mopped­fahrerherz begehrt. Wir werden allerdings in Regen und Nebel herzlich wenig davon zu sehen bekommen...

Weiterführende Infos:
- Westumfahrung Vidraru-Stausee im Moto­planer
- Transfagarash Cartisoara - Curtea de Arges im Motoplaner
- Vidraru-Stausee
- Transfagarash
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Vertikal-Dusche in Cluj

Rumänischer Fortschritt

Den gesamten Tag sind wir nun schon vom feuchten Naß von oben gesegnet. Am Vidraru-Stausee hat uns der Regen das Späßchen in Schotter und Schlamm tatsächlich noch erhöht. Oben auf dem Karpatenkamm wiederum war es sehr schade, nur etwas mehr als die Hand vor Augen sehen zu können.

Als hinter Sibiu Höhe Sebes nach Land­straßen-Stau, Null Sicht und Wasser aus allen Richtungen meine Regenhose am Hintern links final den Dienst quittiert und Land unter meldet, die Suppe kalt das linke Hosenbein bis in den Stiefel hinab durchweicht, sinkt die Moral stantepede genau dorthin, wo Kollesch Wassereinbruch ihr Gesellschaft leistet: Am Arsch. Linkes Bäckchen mittig.

Nach kurzem Abgleich an Tankstelle weiß ich: Bis auf Kay geht es den anderen nicht besser. Glücklicherweise herrscht IN der Tankstelle aber gerade ernsthaft Wassermangel, so daß wir uns nicht mit einem heißen Kaffee auf­wärmen müssen. Puh - Glück gehabt...

Wir düsen dennoch heute bis nach Cluj-Napoca - nach Bukarest die zweitgrößte Stadt Rumäniens - gelegen im nordwestlichen Sie­ben­bürgen/Transsilvanien. Im Stadtzentrum findet man neben vielen alt-ehrwürdigen Gebäuden auch sehr schöne und gut frequentierte Restaurants, Kneipchen und anderlei Späße.

Vor dem kühlen Bierchen in einem gemütlichem Kellerrestaurant steht jedoch zuerst die Körperhygiene. Und da wird's nochmal putzich:

Ich stehe unter der Dusche, büssi verträumt wunder ich mich nur, warum kaum Wasser kommt. Naja, eingeseift bin ich schonmal. Und dann ziehe ich am kleinen Pippel, der den Wasserhahn auf Dusche umstellt ... und halte ihn in der Hand.

An seiner statt schießt eine kleine Fontäne in die Luft. Das geschulte Auge erkennt sofort: Hier ist wahrer Luxus im Gange!

Der Duschkopf - einmal hochgehoben - gleicht rücksichtsvoll die Wassermengen des Tages von oben aus und liefert ein schmerzfreies Tröpfeln. Der Wasserhahn gibt sich ordinär und sorgt für eine 1A Fußdusche.
Cluj Napoca - am Avram Iancu Platz (Rumänien)
Cluj Napoca - am Avram Iancu Platz

Der Clou aber ist die Fontäne - zu haben nur in diesem Hotel und in diesem Zimmer - ein Glücksgriff so zu sagen... Hält man nämlich die Hand unter den Wasserhahn und verschließt diesen, dann schießt die Fontäne bis unter die Decke. Über Bande hat man dann nicht nur eine reguläre Dusche für große Menschen, sondern auch noch ein 1A Wasserspiel für das kleine Kind im Manne. VIER gute Dinge auf einmal!

Vor Freude habe ich seitdem ein zweites Loch im Hintern. Ich sollte öfter verreisen...

Weiterführende Infos:
- Westumfahrung Vidraru-Stausee im Moto­planer
- Transfagarash Cartisoara - Curtea de Arges im Motoplaner
- Vidraru-Stausee
- Transfagarash (Balea Paß 2.042m),
  Transalpina (Urdele Paß 2.145m)
- Karpaten
- Siebenbürgen
- Cluj-Napoca (Klausenburg)
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