Bulgarien per Motorrad 2016

Berge, Ziegen & Rakija (Stand: 2017/07/22)

XXX - Bulgaristan, Du Perle

Mit Superdampfern durch's Gemüse

Türkei 2015 - Motorrad vor Minarett einer Moschee
Türkei 2015 - Motorrad vor Moschee

Bulgarien - oft schon per Motorrad be-/durchfahren und doch gibt es immer wieder neues zu entdecken.

Ein Land im gemütlichen Aufbruch, vielerorts noch recht rustikal daherkommend, freundlich, interessant.

Bulgarien ist durchzogen von hohen Gebirgsketten. Paßstraßen und abenteuerliche Wege allenthalben. Wundervolle Aussichten

XXX - Route im Überblick

Motorrad Bulgarien 2016

Tagesetappen Türkei
- Tag 7, 27.08.2015, 283km (Türkei)
- Tag 8, 28.08.2015, 451km (Türkei)
- Tag 9, 29.08.2015, 366km (Türkei)
- Tag 10, 30.08.2015, 383km (Türkei)
- Tag 11, 31.08.2015, 366km (Türkei)
- Tag 12, 01.09.2015, 238km (Türkei)
- Tag 13, 02.09.2015, 370km (Georgien)

Schnitt: 351km/Tag
Motorrad Türkei 2015 - Übersichtskarte
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XX - Überfahrt

Das geht ja gut los

Bulgaristan ruft. Und wir folgen. Auf kürzestem Wege gen Süden. Zackabumm geht's zwischen Bechet & Oryahovo per Fähre über die Donau.

Paßkontrolle & Ticketkauf verlaufen gemütlich, zügig & freundlich. Die Sonne lacht ihr schönstes Nach­mit­tags­lächeln. Das Wasser der Donau glei­tet träge unter uns dahin. Keine Termine. Keine Pläne. Nur Ruhe und weite Aussicht.

Wir sind allein mit mehreren Sattelzug-Fahrern. Man winkt uns eingestaubte Lumpen herüber. Es wird herz­lich gelacht. Scherz­chen gemacht. Eine große Melone wird geköpft und gemeinsam ver­tilgt. Gute Reise - drum bun - wünschen wir uns gegenseitig.

Und schon sind wir angekommen im schönen Lande Bulgarien. Abschied und Willkommen hätt ich mir schöner nicht wünschen können.
Marokko Motorrad - Medina Fes - unterwegs im Souk
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Souks, tausende Farbtupfer auf eng­stem Raum, beeindrucken.

Weiterführende Infos:
- Bulgarien
- Fluß Donau

Handymans

Probleme im Gepäck

Die Donau liegt hinter uns. In Oryahovo haben wir ein kleines Bistro gefunden, sitzen draußen in der lauen Abendluft unterm Sonnenschirm und wollen schnabulieren.

Zwei von drei Teilnehmern zücken ihr Smartphone, verlassen die lokale Realität und stürzen sich in da­heim­ge­blie­be­ne Pro­bleme, lie­gen­ge­blie­be­ne Ge­schäf­te, per­sön­liche Kontakte und Co.

Derweil zwischenzeitlich mehrmals der Kell­ner auf­taucht - u.A. einmal um Verzeihung bittet, daß es zwei Minuten länger dauern würde, da der Koch erst von daheim kommen müsse, meh­re­re Ge­sprä­che mit an den Tisch kom­men­den Ein­hei­mi­schen voll­zo­gen wer­den, sind beide Pro­ban­den 45 Minuten vollkommen der Re­ali­tät ent­rückt. Selbst als das Essen relativ spät kommt, hat es noch lange Minuten Zeit, ge­müt­lich kalt­zu­wer­den bis ihm Aufmerksamkeit zuteil wird.

Keine gemeinsame Auswertung der Er­leb­nis­se des Ta­ges. Keine dum­men Sprüche. Keine Ge­sel­lig­keit mit­ein­an­der sich im Urlaub be­find­li­cher Kum­pels.

Der verbliebene Dritte kuckt sich den vor'm Bistro lie­gen­den Platz an. Schwatzt mit dem Kellner. Mit den Ein­hei­mi­schen. Erfreut sich an ein, zwei vor­bei­schlackernden Passanten und ihren kleinen per­sön­lichen Maröttchen.

Und trifft im Nachhinein die Ansage, daß bei einer wei­te­ren sol­chen Situation die Wege sich tren­nen wer­den.

Eine Gruppe zieht ihre Vorteile und Stärken aus der Ge­sel­lig­keit und Ge­mein­schaft. Opfert man jene anderen Göttern, bleiben primär nur noch die Nach­tei­le - wie die in einer Gruppe zwangs­wei­se ein­zu­ge­hen­den Kom­pro­misse.
Marokko Motorrad - Medina Fes - unterwegs im Souk
Gefunden vor einem bayr. Restaurant - Danke, der Verfasser, Ihr sprecht mir aus der Seele!

Stunden später - kurz vor'm Schla­fen­ge­hen, allein im Zelt in der absoluten, all­ge­gen­wär­ti­gen Stille der Nacht - wird auch Nr. 3 das Telefon zücken und kurz der lokalen Realität entrücken.

Niemand wird davon Notiz nehmen.

Bulgarski Hardcore

Wir bauen Straßen

Letzte Nacht - direkt vor dem Gewitter - fuhren zwei Ge­­län­­de­­wa­gen an un­se­rem ab­ge­le­ge­nen Nacht­­la­ger vor­bei ins Tal.

Zurück kamen sie nicht. Also muß es dort einen Aus­­gang ge­ben. Und wer fährt schon gern den gleichen Weg zwei­mal...?

Uffjesattelt und los geht's. Thomas wird später heil­froh über seine feder­leich­te CCM sein. Also lasset uns die Spiele beginnen. Es soll ein Tag werden, den ihr so schnell nicht vergessen werdet...

Bulgarien offroad - hier gibt es keinen Weg mehr
Hier gibt's keinen Weg mehr - Umkehr
Die Suche nach einem Tal­aus­gang ge­stal­tet sich et­was müßig. Mehrere Wege enden im Nichts oder im Son­nen­blu­men­feld. Die Haupt­stra­ße jedoch ist nicht weit. Und so star­te ich zum ein­zi­gen Sturz mei­ner­seits die­ser Reise und bahne mit der dicken Twin Wege wo frü­her mal welche waren - so­lang, bis gar nichts mehr geht, mir 2-3m hohe Bä­ren­klau-ähn­li­che Ge­wächse final das Wei­ter­tasten ver­sper­ren. Auf dem Rück­weg durch's Dickicht ver­spurt das Vor­der­rad bei Schrit­tem­po (mehr geht hier eh nicht) und es ist passiert. Kee Drama - aber da war er.

Die Vernunft wird glück­li­cher­wei­se mal pau­schal außen vor­ge­las­sen und so star­ten wir fina­la­men­te durch und las­sen der schweiß­ge­schwän­ger­ten, durch­aus er­leb­nis­ori­en­tier­ten Ko­mö­die ihren frei­en Lauf.

Wenn man so mittendrin steckt im Gebüsch, sich die Zeit nimmt, die Augen rechts und links zu drehen - der Kopf im Helm wird von den um­ge­ben­den Zwei­gen in Po­si­tion ge­hal­ten - dann sieht man an ab­ge­schürf­ten Zwei­gen, daß hier tat­säch­lich kürz­lich was Grö­ße­res durch­ge­fah­ren ist. Mutig vom Fah­rer, einfach in eine Wand aus Busch hi­nein­zu­fah­ren.

Wir jedenfalls stecken jetzt drin. Das Sturz­kon­to wird am heu­ti­gen Tag von jedem ein­mal be­dient. Die Klet­ten werden später überall hängen. Proben der Fauna am Fahr­zeug ver­teilt. Er­staun­lich, was fünf Ki­lo­me­ter Luft­li­nie, ein paar Täler, aus­rei­chend Büsche und Gräser für Schweiß nach sich zie­hen kön­nen.

Herr, unser täg­li­ches Por­tiön­chen Off­road gebe uns heute.

Danke. Ahmen.

Weiterführende Infos:
- Riesenbärenklau/Herculesstaude
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Fliegende Pferde

Skipisten jagen

Der Tag ist noch nicht vorbei, da schlagen Neugier und jun­gen­haf­ter Spiel­trieb erneut zu. Die Ski­piste da drü­ben sieht doch so aus als könnte man von ganz oben nen gran­dio­sen Aus­blick haben...

Vratsa mit seinen Hoch­ofen-Rui­nen, die uns letz­tes Jahr aus der Ferne mit mor­bi­den Charme fas­zi­nier­ten, liegt hinter uns. Auch ein lecker Mit­tag­es­sen am Stra­ßen­grill be­ste­hend aus viel Klein­kram, Köfte und Ke­bab­tsche, Schops­ka und Tut­ma­nik.

Aber nu Arschbacken zusammen und Feuer frei. Kay und Thomas im ersten. Die dicke Africa Twin nimmt den Hang - bis auf das letzte Stück - fast komplett im zwei­ten.

Droben bietet sich ein in­te­res­san­ter Rund­um­blick auf die um­lie­gen­den Berge des zum West­bal­kan zäh­len­den Wrat­sa-Ge­bir­ges & des dor­ti­gen Wrat­schans­ki Bal­kan Na­tur­parks. Auch hier ist eine In­fo­ta­fel mit EU-Un­ter­stüt­zung er­rich­tet (ich be­zweif­le, daß sich hier viele Leute hin­ver­ir­ren wer­den). Der Nach­bar­gip­fel ist noch höher, frei­stehend. Es juckt.

Und siehe da: Eine Fährte zeugt vom Delikt. Ir­gend­wer ist mit einem Zwei­spur­fahr­zeug drüben in einem knap­pen Ki­lo­me­ter Ent­fer­nung auf den hö­he­ren Nach­bar­gip­fel ge­fah­ren. Oder täuscht die grenz­wer­ti­ge Optik?

Der Selbsterhaltungstrieb jedoch setzt dieses Mal klare Gren­zen, mahnt zu Einhalt und so ziehen wir von dannen und neuen Abenteuern entgegen.
Vorher stoßen wir noch auf eine Herde fried­lich gra­sen­der Wild­pfer­de. Sobald sie uns Spa­zier­gän­ger in einigen hun­dert Me­tern Ent­fer­nung oben auf dem Berg wahr­neh­men, flie­gen sie von dan­nen in ihrer na­tür­li­chen Grazie.

Wundervolle Landschaft. Weite, freie Blicke. Ruhe. Frie­den. Und fliegende Pferde...

Weiterführende Infos:
- Stadt Wratza/Vratza
- Gebirge Balkan
- Naturpark Wratschanski Balkan

Motorräder im Wratschanski Balkan
Motorräder östlich der Skipiste
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Blitzeinschlag

Was zuckst Du?

Wider der ursprünglich an­ge­dach­ten Zelt­über­nach­tung unter freiem Ster­nen­him­mel - mög­lichst weit oben, mög­lichst mit schickem Was­ser, mög­lichst mit frisch­ge­zapf­tem direkt vorm Zelt­ein­gang aber doch weit genug weg, mög­lichst oxy­mo­ron-ge­schwän­gert, mög­lichst... - oder kurz: Es ge­wit­tert, schwar­ze Wol­ken war­nen vor kom­men­den Taten, Blitze zucken. Also ab unter ein festes Dach.

Die Wahl fällt auf ein brand­neu­es, EU-co-fi­nan­zier­tes, vor 6 Ta­gen erst er­öff­ne­tes Are­al mit­ten im Nichts - fast - am kleinen Ende der Welt.

Da niemand mit uns oder ähn­lich ge­ar­te­ten Ha­lun­ken rech­net, sitzt man - irgend­wie schein­bar alles Nach­barn von neben­an - bei einem ge­müt­li­chen Whisky um den Cam­ping­tisch, schwa­dro­niert und macht ganz große Augen als da voll­kom­men un­er­war­tet drei frem­de Mo­pe­ten laut­stark vor'm Ne­ben­ge­laß ein­rol­len.

Mit Händen und Füßen geht's vor­wärts. Der Be­sit­zer wird ver­stän­digt - er wird für 70km aus der Mitte Sofias heraus bis an's kleine Ende der Welt re­kord­ver­däch­ti­ge 45 Mi­nu­ten be­nö­ti­gen wo der Rou­ten­pla­ner der Wahl über 1,5h vor­schlägt. Und da das Ge­wit­ter­chen sich jetzt tat­säch­lich pas­send in ein­set­zen­den Stark­re­gen zu klei­den ge­denkt, flüch­ten wir unter's Dach einer of­fe­nen Hal­le, um dort beim Genuß großer Hop­fen­kalt­scha­len ge­pflegt den Mo­pe­ten ein paar sanf­te Strei­chel­ein­hei­ten an­ge­dei­hen zu las­sen.

Wir sind gerade vol­ler En­thu­sias­mus hart ins Bier­trin­ken ver­tieft, da tut's einen Hei­den­schlag, ein Knacken und Knistern, zeit­gleich ein hel­les Leuch­ten ge­folgt von einem so­for­ti­gen ab­so­lut hel­den­haf­ten, aus­ge­spro­chen ge­wal­ti­gen Don­ner­schlag.
Pause mit bulgarischem Bier
Dem Kollesch macht wieder alles richtich...


Kollesch Blitz hat keine vier Meter von un­se­ren Köp­fen ent­fernt eis­kalt und ohne Scheu in die Spitze des klei­nen Licht­mastens ein­ge­schla­gen. Dem Spruch "beim Schei­ßen vom Blitz er­schla­gen" waren wir zu­min­dest alle noch nie so nah...

AT Inkontinenz

Macht der sich etwa lustich?!?

Als wir am nächsten Tag loswollen - wir starten in Summe exakt drei mal... habe ich gerade dem motorradbegeisterten Chef des Hauses - er re­stauriert mit Begeisterung alte Einzylinder-Enduros, über Nacht ist er nochmal schnell nach Sofia gebügelt, um passend zum Frühstück wieder vorstellig zu werden - erklärt, daß auf allen bis dato durchgeführten Reisen die olle, zerschundene Africa Twin das einzige Motorrad ist und war, welches nie Probleme bereitete - egal, ob mit ori­ginalen oder Fremdteilen. "Africa Twin NO Pro­blemm".

Ich habe also gerade dicke Backen gemacht. Er obi­gen Satz noch ein, zweimal wiederholt.
Starte den Motor, wundere mich, warum's auf ein­mal am rechten Bein so pißwarm wird - von den Tagen dräuender Inkontinenz sollte ich doch eigent­lich noch zwei, drei Lenze entfernt sein?! - da grölt's hinter mir "Motor aus" und "Öl" und weitere Zoten.

Und derweil mir die Erkenntnis wie Schuppen von den Augen fällt, daß ich den Ölmeßstab vorhin nur aufgesetzt, scheinbar aber nicht zugedreht habe, schleicht Cheffe von links heran und meint mit einem süffisanten Lächeln und einem Gesicht wie siehste... "Africa Twin Problemmm"...
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XX - Die 7 Seen

Straßenbau nochmal richtig

Da hocken wir nun in Samokow nördlich des Mu­sa­la (höchster Berg Bulgariens), erledigen die Ein­kaufe (Bier, Brot, Käse, Bier) für einen ge­mütlichen Zeltabend. Und ich laß mir noch schnell im Abendlicht ein paar Flausen von einem dt. De­fen­der-Fahrer ins Ohr setzen. Von einer wun­der­vollen Gegend. Die sieben Seen. Grandios. Hin­fahren. Kein Problem. Das solltet Ihr Euch an­sehen...

Ok. Machen wir. Sofort. Auf geht's.

Natürlich hat's vorher mal wieder kräftig gewittert und geregnet. Offroad-Passagen nehmen wir auf dieser Tour nie simpel, sondern immer im ge­stei­ger­ten Schwierigkeitsgrad. Aber davon wis­sen wir ja noch noch nichts...

Um's kurz zu machen: Als der Untergrund dem Verstand endgültig "Hardenduro. Stollenreifen." einflüstert, geben wir uns geschlagen und kehren um. Es ist bald dunkel. Hier oben ist es kalt. Nebel hängt in der Luft. Die Bäume tropfen. Von hier, wo wir gerade die Kehrtwende beschlossen haben, geht's so nicht mehr weiter. Wir sind schlicht zu spät dran.

Wir werden uns unten im Tal bei lau­schi­gen Tem­pe­ra­tu­ren im al­ler­letz­ten Rest­licht in die Bü­sche schla­gen, Brot, Käse und Wurst vertilgen, dem bulgarischen Piwo nochmal mit tiefem Blick einen Besuch abstatten derweil Armeen von Grillen uns anbrüllen - Thomas davon nix hört, der Ster­nen­him­mel uns mit tausend Leuchte­lich­tern ein­hüllt, Hunde in der Ferne bellen und das Leben es wieder einfach gut mit uns meint.
Marokko Motorrad - Medina Fes - unterwegs im Souk
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Souks, tausende Farbtupfer auf eng­stem Raum, beeindrucken.

Weiterführende Infos:
- Stadt Samokow
- Gebirge Rila
- Berg Musala (2.925m)
- "Die 7 Seen"

XX - Die 4 Damen vom Grill

todo

Wir sitzen grad so schön auf der bier­gar­ten­ähn­li­chen Terasse eines Restaurants weit oberhalb des Rila-Klosters - den Trubel der Massen, die Busse, die Unmengen an Polizisten am Wegesrand haben wir dankbarerweise hinter uns gelassen; viel zu viel der leckeren Speisen haben Ein­gang in des Kör­pers dun­kel­ste Stüb­chen gefunden, leichter Nie­sel­re­gen hat ein­ge­setzt, die großen Stand­laut­spre­cher der Grill­bude, die wir vor Kur­zem ab­wähl­ten lassen selbst hier in einem hal­ben Ki­lo­me­ter Ent­fer­nung die Tisch­platten noch vor bul­ga­ri­schen Folk-Wei­sen er­zit­tern. Da gesellt sich an unseren über­dach­ten Tisch nach kur­zer An­frage und freund­licher Ein­la­dung ein gar illu­ste­res Grüpp­chen von vier äl­te­ren Damen.

Der Optik nach - zweie eher freund­lich und offen um das Gesicht herum, eine ver­schlos­sen neu­tral, die letzte optisch die Ober­leh­re­rin vor'm Herrn - haben wir es hier mit dem Sonn­tags­aus­flug des weib­lichen Leh­rer­kol­le­gi­ums der ge­ho­be­nen Lehr­an­stal­ten Sofia Süd-Ost zu tun.

Und siehe da: Tatsächlich stellen sich die Damen - eine ist als Englisch-Lehrerin als Mediator ganz vorn in der ersten Reihe - als Lehrerinnen vor.

Da ich mit meinem ausgereiften Blagodarja nicht weit komme, wird englisch die Waffe der Wahl. Ein gar heiteres Gesprächlein macht sich auf den Weg. Speziell nachdem ich der Fran­zö­sisch-Leh­re­rin zu ver­ste­hen geben ließ, daß ich des Fran­zö­si­schen zwar mäch­tig bin, aller­dings nicht im Spre­chen oder Schrei­ben.

Derweil draußen der Niesel trippelt geht es zwi­schen Miss Oxford, Madame Eif­fel­türm und mir gar lustig hin und her. Fräulein Pitt­bull ver­schanzt sich zu­neh­mend hin­ter ihren ver­­schränk­­ten Ar­men, welche ge­gen­über ihrem Gesichts­aus­druck noch regel­recht wie die offen­her­zi­ge Ein­la­dung zu einer wil­den Or­gie wir­ken. Und dann noch das Neu­trum.

Madame geht in die Offensive und nach einigem "solche Fragen stellt man doch nicht"-Hin und Her kommt die alles entscheidende Übersetzung: "Wo gibt es die schöneren Frauen? In der Ukraine oder in Bulgarien?" Ich: "In Rumänien."

Die Damen lachen amüsiert. Nein so ein Di­plo­mat! So eine diplomatische Antwort! Ich stan­te­pe­de: "Nicht diplomatisch. Ehrlich." Und nun habe auch ich einen Grund herzlich zu lachen...

Ladies - die zwei Sprachkünstlerinnen zumindest! Es war großartig, mit Euch zwei offenen Herzken zu schwadronieren! Bleibt so offen für die Welt und möget Ihr noch viel Spaß haben. You bloody made my day!
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TODO: - Rila-Kloster Link + Bilder Weiterführende Infos:
- Chefchaouen
- Fes
- Rif-Gebirge
- Medina
- Souk/Suq

XX - EU-Geschenke

Von perfektem Asphalt und anderen kreativen Ergüssen

Wir haben uns gerade eine recht ruppige Schot­ter­piste im Pi­rin-Ge­bir­ge mit 10 Hart­en­du­ros und einer Ish geteilt als wir - ein­ge­staubt und durch­ge­staucht - mal wieder durch den Schre­ber­gar­ten tal­wärts ins Dorf ein­rei­ten.

Dieses Mal jedoch empfängt uns ganz her­vor­ra­gen­der Asphalt, ein rie­si­ges Schild lobt die dicke EU-Un­ter­stüt­zung von 2,5 Mio. EUR. 1,2 Mio. EUR hat die lo­ka­le Kom­mu­ne bei­ge­steu­ert. Und die groß­ar­ti­gen neuen Häu­ser ge­ho­be­ner Güte­klas­se rechts und links - al­ler­erste Sah­ne! Schick ge­stutz­ter Ra­sen. Ein neuer SUV. Heile, wohl­ha­ben­de Welt. Kre­dit­hü­gel haben wir so­was frü­her ge­nannt.

Allerdings mündet die Straße weiter unten ins Dorf. Und das ist - genau wie die Piste ober­halb des Asphalts - kom­plett zer­bombt. Die Straßen fer­tig. Urals kön­nen pro­blem­los über die Löcher fahren. Aber un­se­re Mo­pe­ten pas­sen fast hinein.

Entweder haben hier Blinde För­de­run­gen an die fal­­sche Stelle ver­ge­ben oder die Augen waren schlicht zum korrekten Zeitpunkt ver­schlos­sen und der Kre­a­ti­vi­tät Tür und Tor geöffnet...

Gleiches oder ähnliches haben wir in Bul­ga­rien mitt­ler­wei­le vie­ler­orts erlebt. Krea­ti­vi­tät ohne Gren­zen. Und über­all prangt zur Aus­zeich­nung des Ge­bo­te­nen ein gro­ßes EU-Logo.
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Weiterführende Infos:
- Chefchaouen
- Fes
- Rif-Gebirge
- Medina
- Souk/Suq

XX - Pirin I - Ankunft

todo

Der Tag schickt sich an, heimlich, still und leise ins Bettchen zu verschwinden. Auf leisen Sohlen ent­fleucht er; läßt den Himmel vom Blau des Tages in das gelb-rot-vio­lett der Son­nen­un­ter­gangs­stun­de über­gehen.

Wir - noch immer unterwegs auf per­fek­tem Asphalt, rech­ter­hand die Fel­sen des Pirin­ge­bir­ges, lin­ker­hand der Abgrund, unter uns Mo­tor­rad-Kur­ven erster Güte - halten Ausschau nach einem Zelt­plätz­chen.

Als wir gerade die Sonne final ver­ab­schie­det ha­ben, zweigt ein klei­nes Sträß­chen aus­ge­wie­sen durch ein klei­nes Schild­chen über ebenso klein ge­pfleg­ten (Ex-)Asphalt in ein ge­nau­so klei­nes Dörf­chen ab. Pirin.

Der Lack hat auf dem ersten Blick etwas ge­lit­ten. Pirin optisch schon bes­se­re Tage ge­se­hen. Und doch täuscht sich, wer diesem Ört­chen den zwei­ten Blick nicht gönnt.

Am optisch bestgepflegten Hause gleich am Orts­ein­gang steht in großen Let­tern "Xotel". Als­denn wird stan­te­pe­de Di­plo­mat Kay los­ge­schickt, die For­ma­lien zu klä­ren und - in Er­man­ge­lung aus­rei­chen­der Fläche für ein paar Zel­te - das Nacht­lager zu or­ga­ni­sie­ren.

Wir kehren ein in ein aus­ge­spro­chen freund­li­ches Haus - nichts­ah­nend, daß wir bei einer der 10 besten weib­li­chen Sing­stim­men der Welt un­ter­ge­kom­men sind. Bei einer Per­son, die Kate Bush & Co. zu ihrem per­sön­li­chen Freun­des­kreis zählt. Die Welt und ihre Ge­schich­ten in einem bunten Blumenstrauß an Anekdoten zur Hand hat.

Wir werden eine grandiose Zeit haben. Morgen kurzerhand - wider unserer Pläne - noch eine Übernachtung dranhängen.

Und nun geht's ab ins Dorf...
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Weiterführende Infos:
- Chefchaouen
- Fes
- Rif-Gebirge
- Medina
- Souk/Suq

XX - Pirin 5:30

Von Ziegenmelkern, Hartsprit & bissigen Hunden

Just die Straße runter entdeckt das geschulte Auge eine Ansammlung illustrer einheimischer Konsumenten im kombinierten Laden-Veranda-Kneipchen. Wobei man ganz klar feststellen muß, daß der Laden derzeit verwaist, die Veranda dafür umso praller gefüllt ist mit allerlei Strolchen & Räubern.

Da durstig gesellen wir uns kurzerhand dazu. Die Meute rückt noch etwas enger zusammen, man bietet uns mir Händen, Füßen und Gelächter die jetzt freigewordenen Lücken am zentralen Tisch an. Lasset die Spiele beginnen...

Ebenso mit Händen und Füßen kommt man sich näher. Jeder erzählt seine Geschichte - wobei niemand versteht, ob es jetzt um Raketentechnik oder just den Sonnenstand des Vortages zur gleichen Zeit geht.

Die erste Runde wird geworfen. Dann folgt die zweite. Nun fühle ich mich verpflichtet, auch dranzusein. Im Laden ordere ich - der Verkäufer weiß genau bescheid. Wie ich nun lerne, enthalten die sto Gramm Gläser (100ml) um die 60%igen Rakiya. Und wie ich später mitbekomme, hatte der Kollege schon fünf. Das erklärt auch seinen kurzen erstaunten Blick als ich mit den Getränken anrücke...

Nach besagtem 6. Glas geht's los. Hände und Füße. Eine imaginäre Uhr am Handgelenk. Pjatch-trizatch. "Strip-strap-strull". "Mäh". Hohe Berge. Du. Immer wieder die Uhr. Jede Menge Bahnhof.

Schlußendlich sage ich "da" - willige ein. In ir­gend­eine Geschichte morgen früh um 5:30 Uhr hier mit vermutlich irgendwelchen Ziegen, evtl. hohen Bergen, vielleicht ganzen Tag da hoch; Stiefel trägt er, weil er Angst vor Schlangen hat. Kurz: Ich habe keinen blassen Schimmer. Bin voll und werde morgen früh hier 5:30 Uhr der Dinge harren, die da kommen mögen.

Kater, Erschöpfung & Erkenntnis leuchten am nächsten Morgen in seinem Gesicht. Ach, der Typ mit dem 6. Glas Rakiya.

Um's Abzukürzen: Zum Frühstück bin ich passend wieder in der Pension. Zusammen mit einer noch warmen 2L-Flasche frischer Ziegenmilch. Ich wer­de geholfen haben, 100 Ziegen zu melken. Bin von 3 Kerlen vor 10 griffigen, hungrigen Hunden behütet wurden. Werde im Rückwärtsgang haar­sträu­bende Passagen im Geländewagen er­lebt ha­ben.

Und der Tag hat noch nichtmal angefangen...
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Weiterführende Infos:
- Chefchaouen
- Fes
- Rif-Gebirge
- Medina
- Souk/Suq

XX - Bezbog auf eigener Achse

Spaß auf Seilbahn-Parallelweg

Angestachelt von Lyubimka düsen wir auf den vom Gepäck befreiten Mopeten einmal um das Pirin-Gebirge herum. Unser Ziel: Die Berghütte Bez­bog.

Und siehe da: Neben der Seilbahn gibt es tat­säch­lich auch noch einen lieblichen Schotter-Service-Weg nach fast ganz oben. Wenn das mal keine Einladung ist...

Nähe Berghütte werden die Mopeten abgestellt (neben einigen PKWs). Und dann geht es - Novum in dieser Konstellation von Lebewesen deren ve­ge­ta­ti­ves Ner­ven­system ohne Motorradlenker in den Händen als nicht-funktionsfähig angenommen wurde - per pedes hoch in die Berge.

Es wird geschwitzt. Gekeucht. Stur ein Fuß vor den anderen gesetzt.

Und schlußendlich das Auge mannigfaltig für jede Strapaze des Aufstiegs entschädigt mit traum­haf­ten Aussichten auf Berge, Seen und die tiefere Ebene in weiter Ferne.

Abends werden wir mit Lyubimka das erlebte und die Welt Revue passieren lassen, gemütlich her­vor­ra­gen­den Wein trinken, uns wohl fühlen und froh sein, einen zweiten Tag geblieben zu sein.

Pirin, Du Herzken am Ende der Welt. Es war großartig, Dich zu treffen.

Um Monsieur Antoine de Sant-Exuperine noch einmal kurz die Ehre zu geben: "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."
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Weiterführende Infos:
- Berghütte Bezbog

Energie, Gewichte & unnötiger Ballast

Kleine philosophische Reise

Nun sitzt man hier als von der Kon­sum­ge­sell­schaft man­nig­fal­tig be­schenk­tes In­di­vi­du­um auf einem ho­hen Berg, die Son­ne scheint einem auf den Pelz, die Luft ist warm, ein laues Wind­chen weht um die Nase. Zu­frie­den. Satt. Um­ge­ben von wun­der­schö­ner Berg­welt. Ab­so­lu­ter Frie­den.

Bewegt man sich jetzt nicht, verharrt still im wun­der­vol­len Au­gen­blick, dann sollte die ver­brauch­te Ener­gie doch gegen null gehen. Und da­mit auch die Kosten.

Selbst im Ent­decker­modus mit hart berg­hoch, berg­run­ter wären die rei­nen Nah­rungs­mit­tel­kosten ab­so­lut über­schau­bar. Mit 100 EUR könnte man so einen wei­ten Weg be­schrei­ten ohne nach­fas­sen zu müs­sen. Das Leben ist so einfach.

Und dann dräut die Erkennt­nis. Nix hundert EUR.

Selbst, wenn ich mich hier nicht bewege, keine Kosten er­zeu­ge, rat­tern daheim die Uhren. Wollen Mie­ten für alte Rum­pel­bu­den, Ver­si­che­run­gen für alles Mög­liche und wei­te­re Stil­blü­ten not­wen­di­ger Ka­pi­tal­um­wäl­zung west­li­cher Kon­sum­zo­ten fi­nan­ziert wer­den. Und das nicht zu knapp.

Bewegung ist Leben (danke J.). Wir je­doch hän­gen unser Leben üb­li­cher­wei­se so zu mit Ge­wich­ten, Bal­last und anderem Plun­der, daß Be­we­gung immer schwie­ri­ger wird.

Wir ergeben uns in scheinbar not­wen­di­ge Ab­hän­gig­kei­ten (Job, Ver­si­che­run­gen & Co) und schaf­fen selbst voll­kom­men un­nö­tig wei­te­re durch An­häu­fung von Tand, Plun­der & Co.

Das fünfzigste Stück Textil erfor­dert einen neuen Schrank. Der ein grö­ße­res Zim­mer. Eine andere Wohnung. Umzug mit Rie­sen­tra­ra. Die Möbel pas­sen nicht mehr zum Bal­kon. Und so weiter.
Je mehr Dinge man besitzt, desto mehr Gründe ste­hen­zu­blei­ben und sich Sorgen zu machen hat man.

Ein kleiner Rucksack kann genügen, um für Wo­chen alles zum Leben not­wen­di­ge da­bei­zu­haben. Um für Wochen glück­lich und zu­frie­den zu sein. Ausschließlich im realen Jetzt zu agie­ren. Die klit­ze­klei­nen Kosten des Moments auf dem Rücken. Mit einem Lä­cheln aus der Por­to­kas­se zahl­bar. Frei.

Wir - die meisten - jedoch ren­nen und het­zen, um die Schul­den un­se­rer mit ho­her Wahr­schein­lich­keit nicht ein­tref­fen­den Wet­ten auf die Zu­kunft (Ver­si­che­run­gen) zu fi­nan­zie­ren. Um Kisten mit ver­stau­ben­dem Plun­der, den wir sel­tenst an­fas­sen ge­schwei­ge denn auch nur eines Blickes wür­di­gen, zu be­zah­len.

Blind häufen wir mehr und mehr Ballast auf und wun­dern uns, warum es immer schwie­ri­ger scheint, sich zu be­we­gen.

Nicht die Maximierung des re­gel­mä­ßi­gen Inputs, son­dern die Mi­ni­mie­rung des re­gel­mä­ßi­g wie­der­keh­ren­den Out­puts auf ein sinn­vol­les, an­ge­neh­mes Ni­veau ist die Lö­sung. Das - frei­wil­li­ge - Ein­schrän­ken des Be­sit­zes auf das wirk­lich Not­wen­di­ge.

Das Leben kann ganz leicht sein. Das er­kennt man nur meist recht schlecht - ge­beugt mit dem Gewicht eines Wol­ken­krat­zers auf dem Rücken.

Der Mülleimer

Sichten zweier Kulturen

Wir unterhalten uns mit einer extrem weit­ge­rei­sten (viele Länder pro Jahr über De­ka­den), re­flek­tier­ten Per­son (bul­ga­risch) über dies und das. Ir­gend­wann strei­fen wir die Be­son­der­hei­ten ver­schie­de­ner Kul­tu­ren. Es wird die Über­zeu­gung ge­äußert, daß in ver­schie­de­nen Kul­tu­ren ver­schie­de­ne lang­fri­sti­ge Er­fah­run­gen über Ge­ne­ra­ti­onen das Kol­lek­tiv­ge­dächt­nis der je­wei­li­gen Ge­sell­schaft prä­gen.

Mit Bezug auf Deutschland bspw. wird im Ver­gleich zu anderen Län­dern der Welt ein he­raus­ra­gen­des Ord­nungs­be­wußt­sein, Ge­rad­li­nig­keit & Dis­zi­plin heraus­ge­stellt.

Und dann fängt unser Gegenüber an, herz­haft zu lachen und er­zählt eine tief­ein­ge­brann­te Zote ver­gan­ge­ner Tage erlebt in Deutsch­land (ähn­lich wie­der­ge­ge­ben):

Ich habe eine Tüte mit Müll und will sie zu einem öf­fent­li­chen Müll­eimer brin­gen. Der Müll­eimer jedoch ist so voll - ein regel­rech­ter Berg türmt sich oben­auf und droht ab­zu­stür­zen.

Also stelle ich die Mülltüte neben den Eimer und lehne sie an sel­bi­gen an.

Aus dem Hintergrund nähert sich ze­ternd und wild gesti­ku­lie­rend eine äl­te­re Dame und gibt mir zu ver­ste­hen, daß das so nicht gin­ge. Der Müll ge­hö­re in den Müll­eimer. Ich: Aber der ist voll. Sie: Egal. Müll gehört IN den Eimer. Also oben­auf. Nicht da­ne­ben. Basta.

Lacht herzlich und meint, "das ist ein klei­ner Teil meiner Asso­zi­ati­onen mit Deut­schland".
Apropos Kollektiv­gedächt­nis... Du hast doch sicher schon mal ir­gend­wo gehört, man müsse Kin­der auch mal schreien las­sen? Häufig, oder?

Hast Du Dich je gefragt, welchen Ur­sprung diese häu­fig genutz­te Aus­sage hat?

Sie geht zurück auf eine Frau names Jo­han­na Haa­rer und ihre ab 1934 ver­öffent­lich­ten Er­ziehungs­rat­geber - ins­be­son­dere "Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind" und "Unsere klei­nen Kin­der".

"[...] dann, liebe Mutter, werde hart! Fange nur ja nicht an, das Kind aus dem Bett heraus­zu­neh­men, es zu tra­gen, zu wiegen, zu fah­ren oder es auf dem Schoß zu hal­ten, es gar zu stil­len." (Quelle: Johanna Haarer, Die deut­sche Mut­ter und ihr erstes Kind, J. F. Leh­manns, Mün­chen, 1936, S. 173; Laetare 1949, S. 158.)

Ist es nicht erstaunlich, daß wir vol­ler Über­zeu­gung auch heute noch Blöd­sinn leben, der vor 70-80 Jahren von kran­ken Köp­fen ver­zapft und zur Durch­set­zung äußerst hin­ter­fra­gens­wür­di­ger Zie­le ein­ge­setzt wur­de? Das Ge­ne­ra­ti­onen sich nicht da­rü­ber im Kla­ren sind, was sie da als ver­meint­liche Volks­weis­heit erach­ten...

Weiterführende Infos:
- Johanna Haarer
- auf kindergartenpaedagogik.de

Point of no return

Jeder findet seinen Meister...

Es gibt Wege - ich rede nicht von Tram­pel­pfa­den, sondern von regulären, un­asphal­tier­ten Wegen für Zwei-Spur-Fahr­zeuge. Es gibt also Wege, da verliert man im Nach­hinein schlicht den Glauben an den Straßen­bauer.

Wege, deren Planung mitten im Volksfest statt­ge­fun­den haben muß. Am besten noch nachts gegen halb eins, wenn die ersten schon wieder auf­ge­wacht sind. Die nächsten langsam aus­ge­fegt wer­den.

Wir sind auf dem Weg von Pirin nach Melnik. Nen­nen wir den Punkt, wo wir jetzt stehen, eine Weg­gabelung. Links unten im Tal sieht man die Dächer einiger Häuser. Der Weg­weiser nach links zeigt den Namen eines Dor­fes und "1 km". Nach rechts der gleiche Name und "6 km". Nachtigall, ick hör Dir zwitschern...

Ich denke, den anderen noch zugerufen zu haben, daß sie warten sollen (damit wir nicht alle ins Un­glück ru­dern - faul wie ich bin, gehe ich na­tür­lich nicht zu fuß wie es die Vernunft gebieten würde, sondern fahre einfach links den Weg runter; Mensch mit Kopf = Dauer-Volksfest...).

50, 60m gerade runter bis zum "Plateau" in der ersten Links­kurve. Schotter. Steine. Trocken. Stau­big. Seeeeehr steil. Zu steil. Scheißidee. Hier kommste nicht mehr hoch.

Ich hab's grad gedacht, will die anderen warnen, den Blödsinn nicht auch zu machen. Da komm'se schon...

Keiner besser als der andere. Alsdenn, lasset die Spiele beginnen...

Der Weg ist fest, steinig, trocken, staubig & steil - auch ein 4x4 hat hier sicherlich hart gegen den Traktionsverlust anzukämpfen.

Er windet sich - der Bergwand folgend - auf einem Sechstel der Alternativstrecke hinab ins Tal. Kurze Stücke mehr oder minder gerade Steil­hän­ge ge­folgt von schar­fen bis zu 90°-Kurven.

Es gibt kein Halten. Räder rollen lassen: Nächste Kurve Einschlag Hang. Räder blockieren: Die gan­ze Fuhre folgt der Gravitation.

Arsch nach hinten. Motor aus. Erster Gang (kon­trol­lier­bar per Hand via Kupplung falls rechter Fuß Instinkt fol­gend die Fuß­bremse ver­läßt). Hand­bremse. Rollen lassen wird zu schnell. Rutschen lassen zieht die Fuhre quer. Diagonal rutsche ich mehrere Meter den Hang runter.

Nach links kippen = erstaunlich kurzer Weg zum Boden. Nach rechts optisch 3-4m Leere (Kopf - Boden). Mit meinem schweren Eimer bin ich hier oberhalb des Limits. Dirigieren, Agieren ist kaum noch relevant. Reagieren und irgendwie retten, was zu retten ist heißt die Devise.

Als wir unten im Dorf - heile - ankommen und uns im Bach den Schweiß abwaschen, kommt ein Schä­fer vorbei, kuckt uns an, unsere Motorräder, den Weg nach oben. Die folgende Gestik/Mimik besagt knapp "die hamse nich alle"...

Wie recht er doch hat.

Weiterführende Infos:
- Melnik (engl.)
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